Die Perspektiven für den Ökolandbau in Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren eingetrübt. Im Zeitraum 2003 bis 2010 hätten knapp 7.000 Erzeuger ihre Betriebe auf die Produktion nach den Regeln des Ökolandbaus umgestellt. 4.000 seien dagegen zu konventionellen Betriebsformen zurückgehrt, sagte heute in Berlin Dr. Jürn Sanders, Mitarbeiter des Thünen-Instituts (TI), Braunschweig. Der Nettozuwachs der Flächen sei sehr gering.

Als Teilnehmer einer Informationsveranstaltung des Mitglieds des Europa Parlaments (EP) Martin Häusling von der Partei Bündnis 90/Die Grünen zum Ökolandbau verwies Sanders auf die Abnahme der "relativen Vorzüglichkeit" des Ökolandbaus für die Betriebsinhaber. Während in früheren Jahren die Einkommen der Ökobetriebe in Deutschland in der Regel über jenen der konventionellen gelegen hätten, hätte sich dies in den zurückliegenden drei Jahren vollständig verändert. Selbst unter Einbeziehung besonderer Förderprogramme gelinge es den Ökobetrieben nicht mehr, Einkommen in ähnlicher Größenordnung wie bei konventionellen Betriebe zu erwirtschaften. Auch würden sie durch die geltenden Regelungen und besonderen Auflagen der Ökoprogramme zusätzlich eingeschränkt.
 
Insgesamt arbeiten derzeit in Deutschland rund 26.000 Betriebe nach den Ökovorgaben. Zu Beginn der 1980er Jahre hätten etwa 1000, meist sehr kleine und spezialisierte landwirtschaftliche Betriebe, nach damals geltenden besonderen Bestimmungen gewirtschaftet. Diese seien jedoch mit den heute geltenden kaum zu vergleichen, so Sanders. Während damals die von ihnen bewirtschaftete Fläche einen Anteil von 0,04 Prozent an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmache, seien es heute etwa gut sechs Prozent. Diese Zahl würde jedoch seit Jahren stagnieren, bemerkte Sanders. (jst)
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