Grüne Woche

Neue Rollen für die Landwirtschaft


Welche Rolle spielen Landwirtschaft und ländliche Räume in den kommenden Jahrzehnten? Diese Frage stand im Mittelpunkt des diesjährigen Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin.

Bereits heute leben weltweit mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung von rund 7 Milliarden Menschen in städtischen Ballungszentren. Den Prognosen zufolge soll sich der Anteil der wachsenden Weltbevölkerung in den Städten auf 75 Prozent erhöhen. Die Vereinten Nationen (UN) erwarten für das Jahr 2050 eine Bevölkerungszahl von rund 9 Milliarden Menschen. 

Bei der Urbanisierung handele es sich um die größte Migrationsbewegung weltweit, führte der gastgebende Bundesagrarminister Christian Schmidt zur Eröfnung des heutigen GFFA-Podiums aus. Rund 500 Millionen Menschen würden jährlich den ländlichen Raum verlassen und in die Städte ziehen. Damit sei auch die landwirtschaftliche Erzeugung in vielfältiger Weise betroffen, so Schmidt.

Bereits heute seien bedeutende Veränderungen im Ernährungsverhalten der Bürger in den großen Städten beispielsweise in Indien oder China festzustellen, sagte Tino Zeiske als Vertreter des weltweit agierenden Handeslhauses Metro AG. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln wie Fleisch, Gemüse oder Milchprodukten steige sehr rasch. Für Händler wie Metro sei es eine große Herausforderung, die benötigten Produkte in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu beschaffen. Weltweit garantiere sein Unternehmen höchste und überall gleiche Qualitätsstandards.

In China werde die Rolle der Städte neu definiert, so Niu Dun, Botschafter der Volksrepublik China bei der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Für die Landwirtschaft bedeute dies eine Differenzierung in ländliche, stadtnahe und städtische Landwirtschaft. Verschiedene Produktkategorien müssten dann an unterschiedlichen Standorten erzeugt werden. Im Fall der stadtnahen und städtischen Landwirtschaft, beispielsweise für rasch verderbliche Güter, müsse die Produktion in höchstem Maße effizient und nachhaltig erfolgen. China erarbeite Konzepte, die Erfordernisse der Städte und der ländlichen Räume bestmöglich zu verzahnen. (jst)
stats