Pflanzenschutzmittel

Neue Runde im Streit um Steuer


Während der Deutsche Bauerverband (DBV) einer Pflanzenschutzmittelsteuer die Lenkungswirkung abspricht, unterstützt der Bioland-Verband die Empfehlung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Der DBV kritisiert, dass dem Vorschlag eine falsche Annahme zugrunde liege. Landwirte setzten Pflanzenschutzmittel nicht wegen günstiger Preise ein sondern aufgrund ihres Nutzens für die Gesunderhaltung von Pflanzenbeständen sowie zur Sicherung von Ernten und deren Qualität. Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln gelte der Grundsatz: so wenig wie möglich, so viel wie nötig, erwidert Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), auf den Vorstoß des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministers Robert Habeck, der die UFZ-Studie in Auftrag gegeben hatte. Eine Steuer auf Pflanzenschutzmittel würde daher nicht deren Verwendung einschränken, sondern lediglich die Erzeugung verteuern.

Kein Zusatznutzen für den Umweltschutz

Entscheidend sei, dass Pflanzenschutzmittel nur nach einem strengen Zulassungs- und Prüfungsverfahren für die Landwirtschaft zum Einsatz kommen, Anwendungsbestimmungen beachtet und von sachkundigen Landwirten verwendet werden. Die Forderung von Minister Habeck bringe daher keinen Zusatznutzen für den Umweltschutz. Sie sei eher Ausdruck einer technikfeindlichen Haltung und eines Misstrauens gegenüber den weltweit vorbildlichen Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel in Deutschland und Europa, kritisiert der DBV-Generalsekretär. Die von Minister Habeck beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Auftrag gegebene Studie geht von einer Belastung der Landwirtschaft durch eine Pflanzenschutzmittelsteuer in Höhe von 1 Mrd. € aus. Dies entspricht einem Betrag von über 80 Euro je Hektar Ackerfläche.

Verursacher an Folgekosten beteiligen

„Pestizide schaden unserer Gesundheit, zerstören die Artenvielfalt und machen Bauern abhängig von Chemiekonzernen“, meint dagegen der Bioland-Verband. Mit einer Abgabe würden „erstmalig die Verursacher an den durch sie veranlassten sozialen und Umweltfolgekosten des Pestizideinsatzes beteiligt“, so Jan Plagge, Präsident von Bioland. Gemeint seien dabei versteckte Kosten für Umweltschäden, Artenverlust, Brunnenschließungen oder Krankheitsbehandlungen. Bioland wertet das Gutachten als wichtigen Impuls für eine grundsätzliche Änderung der Pflanzenschutzpolitik in Deutschland und Europa. Die Einführung einer Abgabe sei dabei nur ein Baustein. „Wir brauchen Antworten auf den immer weiter steigenden Pestizideinsatz. Verbote bestimmter Pestizide sind überfällig“, so Plagge. (SB)
stats