Zukunftsdialog Agrar & Ernährung

Nicht öko – aber ökologischer

Zwei Ernährungstypen kennt Prof. Dr. Hannelore Daniel: Besser-Menschen und Ignoranten
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Zwei Ernährungstypen kennt Prof. Dr. Hannelore Daniel: Besser-Menschen und Ignoranten
Die Welt ist komplex. Da hilft es manchmal, (zunächst) in Schubladen zu denken. In zwei Gruppen kategorisiert Prof. Dr. Hannelore Daniel die Menschheit: Besser-Menschen und Ignoranten. Zumindest, so erklärt die Leiterin des Lehrstuhls für Ernährungsphysiologie an der TU München, wenn es um Ernährunsgverhalten geht.


Besser geht es den Ignoranten, weiß sie, denn sie sehen weniger Probleme, machen sich weniger Sorgen. Zumal ein großer Teil dessen, was die Besser-Menschen glauben „besser“ zu machen, objektiv betrachtet nicht „besser“ ist. Doch geht es eben nicht immer um Objektivität, weiß Daniel. Vieles fühlt sich subjektiv schlicht besser für sie an – Biolebensmittel kaufen zum Beipiel. „Das will ich den Menschen auch gar nicht ausreden. Es ist nicht schlecht, Bio zu kaufen. Nur gesünder sind Bio-Lebensmittel halt nicht.“

Bio-Bewegung hat deutliche Auswirkungen

Die Auswirkung der reinen Existenz der Bio-Bewegung ist nicht von der Hand zu weisen, sagt auch Merck, Vorstand der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz. Die Nachfrage nach Öko bedeute zweierlei: "Einmal ist es der Stachel im Fleisch – das ist die Rolle der NGOs." Doch die Bio-Bewegung bedeute auch mehr. Es sei auch ein Versprechen an die Kaufleute: "Der nachhaltige Charakter der Produkte spiegelt auf das Unternehmensbild ab und zeigt das Unternehmen selbst als nachhaltig und dauerhaft."

Es müsse nicht immer Bio sein. „Aber es kann doch sehr oft viel ökologischer sein, als es bisher läuft“, sagt Merck. Denn da sei noch viel möglich. Und da sei auch noch ein großer Markt. Saori Dubourg, Vorstandsmitglied der BASF bestätigt das. Sie weiß aus eigener Erfahrung zu berichten: „Meine Erkenntnis ist: Immer dann, wenn Unternehmen Produkte anbieten, die in Richtung der Gesellschaft gehen, dann wachsen sie.“

Bedeutet das auch, dass der Konsument tatsächlich etwas bewirken kann? Oder andersrum: Was kann man vom Konsument erwarten? „Die Mär vom mündigen Konsumenten“, seufzt Daniel. „Wir überfordern die absolute Zahl aller Verbraucher.“ Das Problem, da ist sie sicher, liege nicht auf dem Teller, sondern daneben. (got)

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