Das Statistikamt (CBS) der Niederlande signalisiert geringe Betroffenheit: Die Folgen des russischen Importstopps für ausgewählte Produkte treffe nur 0,1 Prozent des Gesamtexports. Denn insgesamt gingen 2013 nur 2 Prozent der Exporte überhaupt nach Russland, nämlich Waren im Wert von 7 Mrd. €. Auf der Embargo-Liste standen aber nur Produkte im Wert von 527 Mio. €. Den Löwenanteil von 257 Mio. € nahmen Milchprodukte ein, die jetzt nicht mehr geliefert werden dürfen, haben die Statistiker zusammengerechnet.

Weitere Beruhigung zieht das CBS aus einem Länderranking: Demnach kamen Deutschland, Italien und Polen bislang auf eine höhere Exportsumme nach Russland als die Niederlande. Einen größeren Anteil an ihren Exporten lieferten die baltischen Länder und Finnland nach Russland.

Durch das Embargo der Agrarprodukte werden nach CBS-Kalkulationen vor allem Litauen, Polen, die Niederlande, Deutschland und Spanien getroffen. Besonders hart dürfte es aber Litauen treffen: 3,5 Prozent des Exportvolumens dieses Landes stehen auf der Embargo-Liste.

Landwirte besorgt

Albert Jan Maat, Vertreter der niederländischen Landwirte-Organisation (LTO), ist überzeugt, dass der Schaden für seine Kollegen weit höher ausfallen wird als die kalkulierten rund 500 Mio. €. Das sagte er nach einem Treffen von Branchenvertretern mit der zuständigen Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Sharon Dijksma. Einige Produkte sind mit einem Preisverfall von 80 bis 90 Prozent konfrontiert. Er fürchtet auch langfrsitig um Marktanteilsverluste seines Landes im internationalen Wettbewerb.

Maat dringt darauf, das Angebot von EU-Agrarkommissar Ciolos anzunehmen und auf den Krisenfonds zuzugreifen. Er appellierte an das Wirtschaftsministerium, ebenfalls kurzfristige Maßnahmen zu ergreifen, wenn es zu Preiseinbrüchen für Tomaten, Paprika oder Zwiebeln kommt. Dann könnte Ware aus dem Markt genommen werden oder über Absprachen entlang der Lieferkette der Markt stabilisiert werden, hofft er.

Außerdem sucht Maat nun das Gespräch mit Banken. In dieser besonderen Situation sollten auch Angebote für die Finanzierung der Krise entwickelt werden. (brs)
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