Naturschutz

Nutzerverbände fordern mehr Augenmaß


Die Nutzer und Eigentümer von Wäldern, Feldern und Gewässern sehen beim Naturschutz ihre Belange nicht ausreichend gewürdigt. Zu dieser Gruppe zählen neben Landwirten auch Waldbesitzer, Angler oder Jäger (siehe Kasten). Ihre Interessen müssen in die politische und planerische Abwägung einbezogen werden, um negative Effekte auf Wirtschaft und Naturschutz zu vermeiden, betonen Verbände aus sechs Bundesländern in einer gemeinsamen Resolution für einen „Naturschutz mit Augenmaß“.

Wirtschaften in der Natur
Die Resolution wurde vom Aktionsbündnis Forum Natur, Berlin, Arbeitskreis Eigentum & Naturschutz Schleswig-Holstein, Forum Natur Brandenburg, Förderverein nachhaltige Wirtschaft Niedersachsen, Netzwerk Grüne Region Bremen und Pro Natur MV unterzeichnet. In den Organisationen haben sich auf Ebene der Bundesländer Verbände zusammengeschlossen, die im ländlichen Raum wirtschaftlich tätig und von Naturschutzmaßnahmen betroffen sind. Dazu gehören beispielsweise die Organisationen von Landwirten, Grund- und Waldbesitzern, Anglern, Jägern und Fischern. Insgesamt sind rund 30 Verbände mit über 3 Millionen Mitgliedern beteiligt.
Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sei nicht nur ein im Grundgesetz formuliertes Staatsziel, sondern auch Selbstverpflichtung derjenigen, die Natur nachhaltig bewirtschaften, betonen die Verbände. Naturschutz könne aber nur dann erreicht werden kann, wenn auch die Lebensgrundlagen derjenigen gesichert sind, die in den deutschen Kulturlandschaften zum Teil seit Generationen leben und sie schon um ihrer eigenen Existenz willen seit jeher sachkundig und nachhaltig bewirtschaften.

„Insbesondere im Rahmen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie kam und kommt es in der Vollzugspraxis seit zwei Jahrzehnten immer wieder zu erheblichen Schwierigkeiten“, stellen die Verbände fest. Die Umsetzung der Richtlinien habe zu erheblichen Akzeptanzproblemen geführt. Oftmals habe der Schutz der Natur vor dem Menschen Vorrang vor dem Schutz der Natur durch den Menschen. Die Kommunikation mit denjenigen, die mit und in der Natur wirtschaften, müsse deutlich verbessert werden. Für Managementplanungen müsse das Einvernehmen der Bewirtschafter Voraussetzung sein, fordern die Verbände.

Behördlicher und verbandlicher Naturschutz sei zu oft unverhältnismäßig. Infrastrukturprojekte würden verzögert, kleine Verstöße drakonisch sanktioniert. Problematische Eingriffe würden dagegen „politisch passend gemacht“. „Wir sind offen für Gespräche, denn Nachhaltigkeit und Naturschutz zählen zur Basis unseres Wirtschaftens“, stellen die Verbände fest. In Zukunft wollen die Organisationen enger zusammenarbeiten. (SB)
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