Fracking-Verbot

Offener Brief an Regierung


In einem offenen Brief fordern die Umweltorganisationen Deutscher Naturschutzring (DNR), BUND, NABU, Deutsche Umwelthilfe (DUH), Campact, Umweltinstitut München, PowerShift und die Bürgerinitiative Lebenswertes Korbach Union und SPD dazu auf, Fracking in Deutschland zu verbieten. Anlass für die erneute Forderung nach einem Verbot der umstrittenen Technologie zur Erdgas- und Erdölförderung bietet ein Bericht von NDR und WDR, in dem „ein Skandal um die Entsorgung hochgiftiger Bohrschlämme aus der Erdöl- und Erdgasproduktion aufgedeckt“ wurde, teilt der DNR am Mittwoch mit.

Demnach fielen in den vergangenen zehn Jahren bei der Sanierung von drei alten Bohrschlammgruben in Niedersachsen rund 720.000 t Giftmüll an. In dem Bundesland bestehen mindestens 500 weitere Schlammgruben, die noch saniert werden müssen – einige davon in Trinkwasserschutzgebieten. Da Niedersachsen laut dem Bericht seit 2005 über keine geeigneten Deponien verfügt, werden die Schlämme auf andere Bundesländer verteilt.

Umweltschützer beklagen Überforderung bei Entsorgung

Die Umweltorganisationen kritisieren vor dem Hintergrund, dass Industrie und Bergbehörden schon jetzt mit dem Umgang von Altlasten aus der Öl- und Gasförderung überfordert seien. Durch Fracking könnten zu den bereits bestehenden Altlasten noch weitaus größere neue Lasten hinzukommen und das Entsorgungsproblem verschärfen.

Bei jeder Fracking-Bohrung fallen nach Einschätzung des BUND bis zu 770 t giftiger Bohrschlämme an. Da die Rückstände mit krebserregenden Kohlenwasserstoffen, Schwermetallen wie Quecksilber und Arsen sowie radioaktiven Partikeln belastet seien, müssten sie als Sondermüll entsorgt werden.

Kritik auch vom DBV

Neben Umweltorganisationen beobachtet auch der Deutsche Bauernverband (DBV) einen Einsatz von Fracking hierzulande kritisch. Der Verband fordert unter anderem Zulassungsverfahren für Frack-Flüssigkeiten sowie Umweltverträglichkeitsprüfungen für jedes einzelne Fracking-Vorhaben. Außerdem fürchtet der DBV, dass durch Fracking-Projekte landwirtschaftliche Nutzflächen verlorengehen.

Union und SPD verhandeln seit dem vergangenen Jahr über ein Gesetzespaket, das einen stabilen Rechtsrahmen für Fracking in Deutschland schaffen soll. Beide Parteien bekräftigen, dass sie die Regelungen noch bis zur Sommerpause verabschieden wollen. (pio)
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