Grüne Woche

Pflanzenschutz in der Landwirtschaft bedroht


Herbe Kritik übt der Industrieverband Agrar (IVA) an der EU-Zulassung für Pflanzenschutzmittel, die seit 2009 gilt. Die Bürokratie sei massiv gestiegen, die zonale Zulassung verlaufe unbefriedigend und bei den Behörden stapelten sich die Zulassungsanträge, kritisiert IVA-Präsident Dr. Helmut Schramm heute im Vorfeld der Grünen Woche in Berlin.

Zulassung verschärft
Das Pflanzenschutzrecht in der EU wurde 2009 novelliert und die Zulassung verschärft. So wurden die Anforderungen insbesondere bei Feldstudien, Toxikologie und Umweltwirkungen nach oben geschraubt. Besondes in der Kritik standen die Cut-Off-Kriterien für die Zulassung wie die Risikobewertung von Wirkstoffen, die sich negativ auf das Hormonsystem auswirken. Bis heute sind Details zur Bewertung dieser Cut-Off-Kriterien noch nicht abschließend auf EU-Ebene geregelt. (AW)
Viel mehr beunruhigen aber die Industrieunternehmen die Kriterien für endokrine Disruptoren - also Stoffe, die sich auf den Hormonhaushalt auswirken, im Entwurf der EU-Kommission für die Zulassung. Da in den kommenden Jahren zahlreiche Wirkstoffe zur Wiederzulassung anstehen, könnten laut IVA viele Wirkstoffe wegfallen: Neun von zehn Getreidefungiziden würden den Landwirten nicht mehr zur Verfügung stehen, erläutert Schramm. Zur Bekämpfung von Krautfäule bei Kartoffeln wäre nur die Hälfte der heute verfügbaren Mittel vorhanden, und das gleiche gelte für Insektizide. Die Hersteller könnten diesen Verlust der Wirkstoffe nicht mit Innovationen kompensieren, sagt Schramm.

Im Laufe dieses Jahres soll der Konsultationsprozess mit Verbänden und Herstellern stattfinden, auch eine öffentliche Anhörung will die EU-Kommission ansetzen. Diesen Prozess sollten Landwirte wachsam begleiten, lautet der Appell von Volker Koch-Achelpöhler, IVA-Hauptgeschäftsführer. Sollten die vorgeschlagenen Kriterien beschlossen werden, hat das Auswirkungen nicht nur auf Umsatz und Ergebnis der Hersteller, sondern auch auf die Investitionsbereitschaft in Forschung und Entwicklung, ergänzt der IVA-Präsident Schramm. "Investitionen in Europa lohnen sich dann einfach nicht mehr." Auf Grund der höheren Anforderungen müssten die Unternehmen schärfer kalkulieren und würden Wirkstoffe nur noch für den weltweiten Einsatz entwickeln. "Die Diskussionen um die Rahmenbedingungen für den Pflanzenschutz in Europa passen einfach nicht zur globalen Entwicklung", so Schramm.  (AW)
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