Ein Umbruch in der Fleischproduktion wird kommen, da ist sich der Philosoph Richard David Precht sicher. Die Massenproduktion zu sehr günstigen Preise habe keine Zukunft, sagte er gestern in Frankfurt am Main auf dem afz-Meat-Vision-Day. "Das Geschäftsmodell intensive Tierhaltung wird sterben", sagte Precht.  Günstiges Fleisch sei zwar gut für den sozialen Frieden, aber einen Anspruch darauf gebe es nicht. "Kunstfleisch", das aus Nackenzellen von Kühen in der Petrischale gezogen werden kann, ist für Precht der Ersatz für "billiges Fleisch". Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung, Klimawandel, geringer Flächenverfügbarkeit und schwindender Ressourcen bietet das Kunstfleisch Vorteile: es muss kein Tier sterben und es beschwichtigt das ökologische Gewissen der Käufer. "Wenn das kommt, können Sie damit preislich nicht konkurrieren", so Precht.

Nachwuchsunternehmer in der Fleischbranche macht dieses Szenario aber nicht Angst und Bange. "Ich habe keine Angst vor der Zukunft. Wir orientieren uns an der Theke ganz nah an den Kundenbedürfnissen und entwickeln Produkte am Nerv der Zeit und den Kunden", entgegnete Philipp Büning, der seine eigene Metzgerei gegründet hat, in der Diskussionsrunde. "Kunstfleisch" wäre  ein unschlagbares Argument gegenüber dem Verbraucher, da keine Tiere getötet werden müssten, ergänzte Harm Böckmann, der mit seinem SuperMeat Boy-Konzept "Echte Tierwohl-Salami" produziert und vermarktet. Einig sind sich die Nachwuchsunternehmer, dass sie "an dem Thema nicht vorbeikommen".


Precht prognostiziert den Umbruch in rund 20 Jahren. Alternative Fleischprodukte wie vegetarische Wurst oder Fleischspezialitäten, die ihren Markt finden, wird es seiner Meinung nach aber weiterhin geben. (AW)


Prof. Richard David Precht ist auch Gast auf dem Zukunftsdialog Agrar & Ernährung, der am 30. Mai in Berlin stattfindet, und diskutiert mit zum Thema "Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier" und die Auswirkungen auf die Tierhaltung und Fleischproduktion. 
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