Klärschlamm

Phosphor besser nutzen


Das Ende einer Klärschlammnutzung als Dünger rückt näher. In dieser Woche hat das Bundesumweltministerium (BMUB) den Referentenentwurf für eine Verordnung zur Neuordnung der Klärschlammverwertung vorgelegt. Darin setzt Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) das im Koalitionsvertrag festgelegte Ziel, die Klärschlammausbringung zu Düngezwecken zu beenden, Phosphor und andere Nährstoffe jedoch zurückzugewinnen, um.

Kritik an dem Vorhaben kommt aus den Reihen der Kläranlagenbetreiber. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) tritt für den Erhalt der stofflichen Klärschlammverwertung ein und fordert fachlich differenzierte Regelungen für die Verwertung von Klärschlämmen. „Das optimale Verwertungsverfahren für Klärschlämme ist stark von den Voraussetzungen vor Ort abhängig“, erklärte BDE-Präsident Peter Kurth. Dort müsse entschieden werden, ob Phosphor aus Klärschlammasche oder den Abwässern zurückgewonnen werden oder ob er im Klärschlamm verbleiben soll und direkt stofflich verwertet und landwirtschaftlich genutzt wird.

Allein in Deutschland werden jährlich 280.000 t Phosphor für die Herstellung von Düngemitteln benötigt. Da die Versorgung von Landwirtschaft und Industrie mit diesem wertvollen Rohstoff zunehmend aufwendiger wird und die Rohstoffqualität sinkt, steht Phosphor seit 2014 auf der EU-Liste kritischer Rohstoffe. Damit gewinnt die Rückgewinnung des Phosphors aus Klärschlamm und Abwasser zunehmend an Bedeutung. Auch der BDE ist der Ansicht, dass Verfahren zur Phosphorrückgewinnung entwickelt werden sollten. Die in Deutschland jährlich anfallenden etwa 2 Mio. t Klärschlammtrockenmasse enthalten etwa 60.000 Tonnen Phosphor. Davon wird jedoch nur weniger als die Hälfte als Dünger oder anderweitig verwendet. Der Rest gehe bislang verloren, so der BDE.

Vor diesem Hintergrund müsse der Einsatz qualitativ hochwertiger Schlämme zur landwirtschaftlichen und landschaftsbaulichen Nutzung weiterhin möglich sein, um den enthaltenen Phosphor umfassender nutzen zu können, fordert Kurth. Wichtig dabei sei, dass nur Klärschlämme von guter Qualität verwertet werden und dass das hohe Schutzniveau für Umwelt und Verbraucher gewahrt bleibe. Klärschlamm stofflich zu verwerten steht nach Auffassung des BDE auch im Einklang mit dem Europarecht. Die Abfallrahmen- und Klärschlammrichtlinie fordern vorrangig eine hochwertige stoffliche Verwertung von Abfällen. Diese Priorität für die stoffliche Verwertung muss auch für die Klärschlammverordnung gelten. (SB)
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