Für die dauerhafte Legitimation von Direktzahlungen an die Landwirtschaft aus dem EU-Haushalt ist ein breiter gesellschaftlicher Konsens erforderlich. Daran erinnert Jan Plagge, Präsident des Öko-Anbauverbands Bioland im Gespräch mit der agrarzeitung (az) vehement. Diesen breiten Schulterschluss zwischen Landwirtschaft, Umweltschutzverbänden und Verbrauchern aber setzen die für Deutschland entworfenen Greening-Regeln auf Spiel, kritisiert er.

Denn die Direktzahlungen seien bis 2020 unter anderem begründet als Honorierung für Umweltleistungen der Landwirtschaft. Wenn nun aber der Leguminosenanbau mit Mineraldüngung und chemischem Pflanzenschutz als ökologische Ausgleichsmaßnahme gelten sollte, gerate das Umweltschutzargument ernsthaft ins Wanken.

„Dann findet herkömmliche Landwirtschaft auf ökologischen Vorrangflächen statt“, kritisiert Plagge. „Wenn konventionelle Landwirte Leguminosenanbau mit Düngung und Pflanzenschutz betreiben wollen, dann steht ihnen dafür ja ihre restliche Betriebsfläche zur Verfügung“, argumentiert er.

In der EU stehe der Agrarhaushalt mit vielen drängenden Problemen, wie Jugendarbeitslosigkeit oder Infrastrukturprojekten im Wettbewerb. Wenn die Landwirtschaft die Zahlungen, die sie für sich haben will, nicht gut begründet, könnte der EU-Haushalt auch für andere Maßnahmen stärker verwendet werden, befürchtet Plagge.

„Öko-Landwirte stellen jährlich unter Beweis, dass Leguminosen ohne Pflanzenschutz und mineralische Düngung gedeihen“, erinnert der Bioland-Präsident. Die Erträge insbesondere im Öko-Sojaanbau könnten sich mit denen der konventionellen Kollegen durchaus messen.

Eine N-Düngung für Leguminosen sei sogar kontraproduktiv für die Entwicklung der Symbiose von Pflanze und Knöllchenbakterien. Gemeinsam könnten konventionelle und ökologisch wirtschaftende Landwirte mit Unterstützung der Forschung und Beratung von Züchtung bis zur Landtechnik den Leguminosenanbau auf den ökologischen Vorrangflächen weiterentwickeln. Hier liegt ein erhebliches Innovationspotential gerade in Deutschland. (brs)
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