ARD-Sendung

Professor platzt der Kragen


Prof. Andreas von Tiedemann
-- , Foto: Uni Göttingen
Prof. Andreas von Tiedemann

Den Beitrag „Pestizide in unseren Nahrungsmitteln“, den die ARD vorige Woche im Wirtschaftsmagazin „plusminus“ ausgestrahlt hat, beurteilt von Tiedemann als verantwortungslos. Der Beitrag mache Menschen ohne Not und Anlass „Angst, frei und beherzt zu essen“, schreibt der Göttinger Pflanzenschutzexperte in einem seinem offenen Brief, der am Wochenende im Agrarblog Stallbesuch veröffentlicht worden ist. Als „infam“ bezeichnet er darin auch die „unbelegten Behauptungen“ gegenüber der großen Mehrzahl der Landwirte.

Konkret kritisierte von Tiedemann, dass für die Sendung keine unabhängigen Wissenschaftler an Universitäten und in Zulassungsbehörden gefragt worden seien, die zum Thema Rückstände von Pflanzenschutzmitteln kompetent etwas hätten sagen können. Außerdem bemängelt der Pflanzenschutzprofessor einige „blanke Falschaussagen“. Behauptet worden sei etwa, dass es keine Grenzen für die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln gibt.

Wo sind die Opfer der jahrelangen Vergiftung?

Auch treffe nicht zu, dass „immer mehr gespritzt“ werde. „Wahr ist, dass die pro Hektar ausgebrachte Wirkstoffmenge seit 1990 erst stark zurückgegangen ist und seit 1995 weitgehend konstant bei 1,8 kg/ha liegt“, so von Tiedemann weiter. Außerdem sei in dieser Zeit die Toxizität der Wirkstoffe „dramatisch“ zurückgegangen. „Das ist der Grund, dass die Giftzentrale Nord in Göttingen seit über 20 Jahren keinen Vergiftungsfall mit Pflanzenschutzmitteln mehr hatte“, verdeutlicht der Wissenschaftler und fragt: „Wo also sind die nachweisbaren Opfer dieser jahrelangen Vergiftung der Menschen?“ Die Antwort lautet aus seiner Sicht: „Es gibt diese Opfer nicht, weil wir die besten, gesündesten und vielfältigsten Nahrungsmittel haben, die es je in der Geschichte der Menschheit gegeben hat.“

„Ich weiß, dass Sie dies nicht korrigieren werden und ich, selbst als Rundfunkbeitragszahler, darauf keinen Einfluss habe, aber vielleicht reicht es ja wenigstens dafür, dass Sie sich meine Hinweise durch den Kopf gehen lassen“, schließt von Tiedemann seinen offenen Brief. (db)
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