Milchkrise

Professoren gegen Kartell und Quote


Auch wenn die Milch überschwappt: Mengenregulierungen sind Agrarwissenschaftlern zur Folge kein Ausweg aus der Krise.
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Auch wenn die Milch überschwappt: Mengenregulierungen sind Agrarwissenschaftlern zur Folge kein Ausweg aus der Krise.

Nach Ansicht der Professoren führt an einer marktwirtschaftlichen Anpassung der Milchwirtschaft kein Weg vorbei – auch wenn dies bedeutet, dass die am wenigsten wettbewerbsfähigen Betriebe aus der Milcherzeugung aussteigen. Denn dann würde das Angebot an Milch sinken und die Preise würden „tendenziell steigen“, schreiben die Agrarexperten wie Prof. Stephan von Cramon-Taubadel, Prof. Matin Quaim und Prof. Ludwig Theuvsen in einer Pressemitteilung von Mittwoch. Härtefälle müssten dabei durch Instrumente der Sozialpolitik abgefedert werden.

Betriebe und Banken sollen gemeinsame Lösungen finden

Ein Worst-Case-Szenario, wonach bei anhaltend niedrigen Preisen landwirtschaftliche Betriebe massenhaft in den Ruin getrieben werden, halten die Professoren für wenig wahrscheinlich. Dagegen spräche zum einen, dass die EU derzeit Butter und Magermilchpulver kauft, um den Markt zu stützen. Zum anderen hätten Milcherzeuger in Phasen hoher Preise die Möglichkeit, finanzielle Reserven für schlechtere Zeiten aufzubauen. Darüber hinaus würden die auf dem jüngsten Milchgipfel von der Bundesregierung zugesagten Liquiditätshilfen in Höhe von „100 Millionen Euro plus X“ zumindest in „bescheidenem Umfang“ dazu beitragen, finanzielle Engpässe zu überbrücken.

Betriebe, die in Erwartung hoher Milchpreise fremdfinanzierte Investitionen durchgeführt hätten und nun Kredite bedienen müssen, sollten sich mit ihren Kreditgebern auf gemeinsame Lösungen verständigen, empfehlen die Wissenschaftler.

Aus wettbewerbspolitischer Sicht problematisch

Anderen Lösungswegen aus der Milchkrise wie einem Milchkartell oder einer staatlichen Begrenzung der Milchmenge erteilen die Wissenschaftler eine klare Absage. So sei ein „Milchkartell“, bei dem sich Landwirte zusammenschließen und gegebenenfalls mit Molkereien eine Reduzierung der Milchmenge vereinbaren, „wettbewerbspolitisch problematisch und wettbewerbsrechtlich unzulässig“, halten die Professoren fest. Davon einmal abgesehen, sei es schwer, ein solches Kartell durchzusetzen, da sich die Kräfte des Marktes nicht ohne weiteres aushebeln ließen: „Entscheidend ist, dass es Milcherzeuger gibt, die in der Lage sind, sehr kostengünstig zu produzieren und die kein Interesse daran haben, ihre Produktionsmengen zu begrenzen“, heißt es dazu in der Mitteilung. Das Angebot dieser Erzeuger sorgt für einen Preisdruck und bildet einen Anreiz für Discounter, sich Milchprodukte dort zu beschaffen, wo sie am günstigsten sind. Außerdem sei eine Mengenreduzierung kurzfristig schwer umzusetzen, da eine Reduzierung der Fütterungsintensität von Milchkühen zu tiergesundheitlichen Problemen führen kann.

Signalwirkung von Preisen ausgehebelt

Eine staatlich begrenzte Mengensteuerung, also eine Art neue Milchquote, erachten die Wissenschaftler ebenfalls als wenig sinnvoll. Denn eine solche Quote würde die Signalwirkung von Preisen für Verknappungen oder Ausweitungen des Angebots am Markt aushebeln. Dabei ist diese Signalwirkung von Preisen wichtig, damit Anbieter und Nachfrager zukünftige Entscheidungen treffen können, betonen die Experten. Auch würde eine Quote verhindern, dass die Milch dort erzeugt wird, wo es am kostengünstigsten ist. (pio)
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