Milch-Exportgipfel

Protest vor Ministerium


Um 16:00 Uhr treffen sich am Mittwoch Vertreter der Molkereiwirtschaft und Landwirtschaft im BMEL. Eingeladen hat Bundesgrarminister Christian Schmidt (CSU). Thema ist die von ihm angekündigte Exportoffensive für Milchprodukte zur Unterstützung der Milcherzeuger.

Gegen eine weitere Ausdehnung der Exporte sprechen sich verschiedene gesellschaftliche Gruppen aus. Ein Bündnis der Organisationen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Brot für die Welt, Germanwatch und Misereor weist auf aus ihrer Sicht bereits bestehende und sich noch verschärfende negative Folgen der Milchexporte hin. Sie plädieren für eine wirksame Reduzierung der in Europa erzeugten Milch.

Nur so könne dem anhaltenden Preistief für Milch begegnet werden, sagte Berit Thomsen als Sprecherin der AbL heute in Berlin. Die gegenwärtige Krise sei bedrohlich, sagte sie. Im Gegensatz zu früheren Krisen am Milchmarkt dauere sie sehr lang und bis zur Mitte des kommenden Jahres sei kaum mit Verbesserungen der Lage zu rechnen. "Auf den Höfen ist die Höle los", betonte Thomsen. Nach ihrer Kenntnis befände sich die Mehrzahl der Betriebe in Gesprächen mit ihren Banken. Es sei ein "Strukturbruch" zu befürchten.

Kritik an Milchpulverexporten

Um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen überreichten Vertreter der Organisationen vor dem gebäude des BMEL den Entwurf einer neu erstellten Studie mit dem Titel: "Billiges Milchpulver für die Welt". Darin werde gezeigt, dass die Exportstrategie der EU in vielen Entwicklungsländern zunehmend Probleme verursache. Besonders in Afrika als einem wichtigen Markt für billige, europäische Milchpulverimporte, werde eine Entwicklung der Milchwirtschaft innerhalb der Länder verhindern.

Auch im EU-Binnenmarkt sehen die Organisatoren des Protests die Pulverexporte kritisch. Die Exporterfolge der deutschen Milchwirtschaft basierten heute vor allem auf einem höheren Absatz von Magermilch- oder Molkepulver, standardisierte Massenprodukte, bei denen der Wettbewerb über den Preis stattfinde. Daher seien Milchpulverexporte mit dem Ziel, auskömmliche Erzeugerpreise zu sichern, kaum vereinbar, kritisiert Germanwatch.

Grundsätzlich begrüßen die Organisationen die Bemühungen von Bundesagrarminister Schmidt, nach Möglichkeiten zur Stabilsierung des Milchmarktes zu suchen. Auf dem heutigen Exportgipfel würde jedoch keine Lösung gefunden werden, zeigen sie sich überzeugt. (jst)
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