Thüringen

Ramelow verspricht Solidarität

Agrarministerin Birgit Keller (Linke) gratuliert dem neuen Bauernpräsidenten Dr. Klaus Wagner.
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Agrarministerin Birgit Keller (Linke) gratuliert dem neuen Bauernpräsidenten Dr. Klaus Wagner.

Wagner ist am Mittwochabend in Erfurt-Alach zum Nachfolger von Helmut Gumpert gewählt worden, der sein Amt aus Altersgründen abgeben hat. Thüringer Landespolitiker gehörten zu den ersten Gratulanten des Präsidenten des Thüringer Bauernverbandes (TBV). Gleich drei Minister aus seinem Kabinett hatte Ministerpräsident Bodo Ramelow zur Bauernversammlung mitgebracht: Agrarministerin Birgit Keller, Umweltministerin Anja Sigismund und Gesundheitsministerin Heike Werner.

Wagner ist Landwirt und leitet die Universal-Agrar GmbH vor den Toren Erfurts. Er lobte in seiner Antrittsrede den fairen Wahlgang mit seinem Mitwettbewerber Niko Scheringer. Als frisch gekürter Präsident überreichte er noch am Abend an den Ministerpräsidenten Ramelow eine vom Vorstand verabschiedete Entschließung des TBV. „Die Leistungen für das Tierwohl, müssen wir uns auch leisten können“, sagte Wagner, der selbst Ackerbau betreibt und 600 Milchkühe mit Nachzucht hält. Er warnte vor zu vielen gesetzlichen Anforderungen. Dies verhindere Investitionen, die notwendig sind, um Arbeitsplätze zu sichern. Der 46j-Jährige Geschäftsführer der Universal-Agrar GmbH in Mittelhausen, ist seit 1998 Mitglied des TBV und war seit 2015 stellvertretender Vorstandsvorsitzender im Deutschen Milchkontor e.G. (DMK). Diese Position wird Wagner in Kürze aufgeben, um sich mit ganzer Kraft seinen neuen Aufgaben stellen zu können.

„Ein ländlicher Raum ohne die Betriebe wäre ein leerer Raum“, sagte Ramelow. Er will die Forderungen im Entschließungsantrag des TBV im Kabinett vorstellen. Den Hochwasserschutz bezeichnet Ramelow als überlebenswichtig. Wenn einem das Wasser bis zum Hals stehe, sei es zu spät. Deshalb müsse jeder Vorsorge treffen, auch landwirtschaftliche Betriebe. Selbst für den Preis, dass für den Bau von Dämmen, Ackerflächen verloren gehen. Einig ist sich die rot-rot-grüne Regierungskoalition mit den Landwirten, die Pläne zur Suedlink-Trasse zu verhindern. Ramelow ermunterte die Landwirte, Widerspruch gegen die geplante Windstromleitungen quer durch Thüringen einzulegen. Die Erdverkabelung sei achtmal teurer als Fernleitungen, sagte Ramelow.

Was den Ministerpräsident ebenfalls umtreibt, ist der ständige Landverlust. Es müsste eigentlich eine Nullstrategie-Versiegelung geben, sagte er unter dem Beifall der Delegierten. Auch könnten Äcker nicht immer als Ausgleichsflächen herhalten. Mittlerweile ist Ramelow regelmäßiger Gast beim Bauernabend im Dezember. Vor exakt zwei Jahren war sein erster Termin als frisch gewählter Ministerpräsident der Linken in Thüringen bei der Landesvertreterversammlung im Erfurter Vorort Alach.

Eine sehr persönliche Laudatio hielt Dr. Lars Fliege für den scheidenden Präsidenten und neuen Ehrenpräsidenten des TBV, Helmut Gumpert. Mit unermüdlichen Einsatz setzte er sich vier Jahre lang für die Landwirte in Thüringen ein. Höhepunkt war der Deutsche Bauerntag in Erfurt 2014. Im Deutschen Bauernverband war er für Saatgut zuständig. "Deine Agrofarm Knau ist dein Lebenswerk“, sagte Fliege. Gumpert hatte in den vergangenen Monaten sehr viel öffentliche Kritik einstecken müssen. Filmaufnahmen der Tierschutzorganisation Peta von seinem Schweinestall sorgten für Unmut in der Bevölkerung. Auch  Ramelow bedankte sich für die hervorragende Zusammenarbeit mit seinem Duzfreund Helmut auf dem kurzen Dienstweg in den vergangenen Jahren. (da)
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