DLG-Unternehmertage

Rational mit Kritik auseinandersetzen


Die Land- und Ernährungswirtschaft möge mit Verstand und rationaler Bewertung mit der unweigerlich gegebenen und zukünftig noch zunehmenden Einmischung von Politik und Verwaltung umgehen. Hierzu rief Christian Stockinger, Vizepräsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, am Dienstag auf den DLG-Unternehmertagen in Regensburg auf. Die Vermutung, dass die Förderungen der EU in der nächsten Periode noch weniger als derzeit einkommensstützenden Charakter haben und stattdessen mit regionalpolitischen und damit gesamtgesellschaftlichen Zielen begründet werden, sei naheliegend. „Je mehr die Flächenprämien der EU dem Charakter nach der 2. Säule zuzuordnen sind, umso mehr werden Gegenleistungen gefordert und deren Einhaltung überprüft“, ist sich Stockinger sicher. In letzter Konsequenz stelle sich die Wahl zwischen EU-Prämien mit Cross Compliance oder Wegfall der Transferleistungen.

Kritische Haltung der Gesellschaft Kernproblem

„Eine Branche, die im Verdacht steht, dass der individuelle Erfolg des Unternehmers bzw. das einzelbetriebliche Interesse im Widerspruch zum öffentlichen, gesamtgesellschaftlichen Interesse steht, hat keine Zukunft“, stellte Stockinger klar. Die kritische Haltung weiter Teile der Gesellschaft gegenüber hochtechnisierter, leistungsorientierter und moderner Landbewirtschaftung sei zu einem Kernproblem der deutschen Landwirtschaft geworden. Hierfür habe die Branche noch keine geeigneten Antworten gefunden.

Zeit der Kavaliersdelikte vorbei

Nach Auffassung von DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer muss sich die Branche, aber vermehrt auch der einzelne Landwirt, den eigenen Defiziten stellen und diese schon im Ansatz vermeiden. „Die Zeiten von Kavaliersdelikten sind vorbei“, betonte Bartmer. „Wir müssen gesellschaftliches Vertrauen durch unser Handeln gewinnen, indem wir über die Art, wie wir produzieren, mit der Gesellschaft auf Augenhöhe sprechen und Zustimmung wecken.“ (SB)
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