az: Darf eine Landwirtschaftsministerin kranke Schweine haben?

Schroedter: Mein Kenntnisstand ist, dass keine Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen im Raum stehen. Wenn man sich die Fälle aus der Vergangenheit anschaut: die zurückgetretene niedersächsische Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen, Wiesenhof, Funktionäre des Bauernverbandes. Das alles sind nur Mittel zum Zweck. Es geht nicht um mögliche Verstöße gegen den Tierschutz oder das Baurecht, sondern immer nur um eine Fundamentalkritik an der konventionellen Tierhaltung.

"Medien haben das gesamte Material zu sichten, bevor sie berichten. Nur so gibt es Objektivität", sagt Frank Schroedter.
-- , Foto: Engel & Zimmermann
"Medien haben das gesamte Material zu sichten, bevor sie berichten. Nur so gibt es Objektivität", sagt Frank Schroedter.
Die Personen werden instrumentalisiert.


Schroedter: Exakt. Und natürlich bieten sich Minister und andere öffentliche Personen, die in der Tierhaltung tätig sind, an.

Wie kann ich dem Verbraucher erklären, dass in einem Stall Krankheit und Tod vorkommen können?

Videos mit Tierleid
Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) ist keine zwei Wochen im Amt und hat den ersten Skandal. Stern TV zeigt Videos mit Tierleid aus den Ställen ihrer Familie. Die Schweine waren krank, manche mussten notgetötet werden. kbo
Schroedter: Man muss jedem die Chance geben, die Situation darzustellen – und das ist ja auch hier passiert. Ich brauche außerdem immer einen neutralen Dritten, der eine Bewertung vornimmt. Und wenn ein Amtsveterinär erklärt, dass der Betrieb in Ordnung ist, dann kann ich nicht verstehen, wieso es weiterhin Rücktrittsforderungen an die Ministerin gibt.

Das Amt ist nicht in Gefahr?

Schroedter: Das ist Wahlkampfgetöse. Die Ministerin hat das Problem, dass sie das Thema schnell aus der Welt schaffen muss. Und wenn keine Missstände vorhanden sind, dann muss sie sich dafür auch nicht entschuldigen.

Die Kritiker der Tierhaltung sehen sehr wohl Missstände.

Schroedter: Wenn über drei Monate Bilder gesammelt und daraus drei Minuten zusammengeschnitten werden, dann sind es exakt nur diese drei Minuten, die als Skandal an die Öffentlichkeit kommen. Für die Medien bedeutet das, sie müssen 43000 Minuten Material sichten, um objektiv berichten zu können. Und genau das ist an all diesen Kampagnen hochgradig fragwürdig. Diese drastischen Zusammenschnitte lassen Konsumenten und auch die Fachleute natürlich zunächst einmal zusammenzucken. Es muss aber der Gesamtzustand des Betriebes auf den Tisch, um urteilen zu können.

Was raten Sie Landwirten?

Schroedter: Wer sich rechtmäßig verhält, der muss nichts befürchten – beispielsweise, dass er als Lieferant ausgeschlossen wird. Es ist auch verständlich, dass Tierhalter jetzt mehr Schutzmaßnahmen ergreifen. Die Landwirte müssen aber auch rauskommen aus der Defensivhaltung. Sie müssen darstellen, was sie in der Tierhaltung besser machen. Das Thema werden sie nicht mehr los. Bestehende Systeme zu verteidigen, hat noch nie funktioniert. Das klappt aktuell auch in der Autoindustrie beim Thema Diesel nicht.

Das Timing spricht für eine gute Vorbereitung – haben die NGOs eine neue Professionalisierungsstufe erreicht?

Schroedter: Nein. Das hat Greenpeace schon in den 80er Jahren vorgemacht. Heute haben es die Tierrechtsorganisationen doch viel einfacher. Die technischen Möglichkeiten machen es leicht, Bilder zu beschaffen.



Die Fragen stellte Katja Bongardt
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