Grüne Woche

Rezepte gegen Landflucht gesucht


Laut EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan haben die ländlichen Regionen mehr zu bieten, als nur Rohstoffquelle für die Nahrungsmittelproduktion zu sein. Auf einer international besetzten Diskussionsrunde während der Grünen Woche (IGW) in Berlin erläutert er, dass die Regionen außerhalb der Städte ebenso eine soziale Funktion erfüllten. Auch die Aspekte Frischluft, Erholungsfunktion und Carbonsenke müssten bei der Diskussion über das Verhältnis zwischen Stadt und Land in Europa und anderen Ländern berücksichtigt werden, so Hogan.

Vertreter aus afrikanischen Ländern machen auf die Landflucht aufmerksam, die bei ihnen kritische Ausmaße annehme. So rechnet ein Gesandter aus dem diesjährigen IGW-Gastland Marokko damit, dass im Jahr 2050 die Hälfte der Marokkaner in den Städten leben werde. Das gehe auch auf Kosten vieler fruchtbarer Böden, die in Stadtnähe und in ebener Lage durch zunehmende Urbanisierung verloren gingen. Einigkeit herrschte darüber, dass zur Stärkung des ländlichen Raumes in Afrika der Handel, Infrastruktur und Finanzierungsmöglichkeiten verbessert werden müssten.

Wie groß die Aufgaben sind, verdeutlichte ein Vertreter aus Nigeria: Die Kreditzinsen lägen bei bis zu 30 Prozent, Kühe lieferten 1,5 kg Milch pro Tag und der Handel landwirtschaftlicher Produkte vom Land in die Stadt lohne sich nicht, da das Mieten von LKWs den Erlös überträfe. (kbo)
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