Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften kritisieren den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in Deutschland. In einer Stellungnahme stellen die Wissenschaftler in Frage, ob Definitionen im deutschen Gentechnikgesetz noch praktikabel und zweckmäßig sind. Die Abgrenzung zwischen modernen Züchtungsverfahren und der Gentechnik würden immer schwieriger.

Pauschale Anbauverbote für GVO lehnen die Wissenschaftler strikt ab. Durch solche Maßnahmen seien die Forschungs- und Berufsfreiheit, der Schutz des Eigentums sowie die allgemeine Handlungsfreiheit in Deutschland akut bedroht. Mit Nachdruck empfehlen die Forscher wissenschaftsbasierte Einzelfallprüfungen, um bei der Risikobewertung zukünftig vor allem die spezifischen Eigenschaften neuer Pflanzensorten und nicht den Prozess ihrer Erzeugung zu untersuchen.

Seit Mitte der 1990er Jahre nimmt der Anbau von GVO weltweit stetig zu. Im vergangenen Jahr wurden bereits auf 13 Prozent des weltweit bearbeiteten Ackerlandes GVO angebaut. In krassem Gegensatz dazu steht die Situation in Deutschland, wo weder Feldversuche noch kommerzieller Anbau solcher Pflanzen stattfinden.

Anlass für die Stellungnahme ist die aktuelle Diskussion in Deutschland, ob ein generelles Anbauverbot für GVO bundesweit gelten oder es den Bundesländern selbst überlassen werden sollte, Verbote auszusprechen. (atm)
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