Veggie-Wurst

Rückschlag für Schmidt

Die Worte „Schnitzel“, „Bratwurst“ und „Frikadelle“ dürfen auch weiter „uneingeschränkt“ für vegetarische oder vegane Alternativen zur Anwendung kommen. Das hat die Deutsche Lebensmittelbuchkommission entschieden. Der Leitsatz-Entwurf des zuständigen Fachausschusses der Deutschen Lebensmittelbuchkommission (DLMBK) sieht kein Verbot für derartige Bezeichnungen vor. 

Die Entscheidung der Kommission ist auch eine Niederlage für Landwirtschaftsminister Christian Schmidt. Ende vergangenen Jahres hatte sich Schmidt für ein Verbot von „veganer Currywurst“ ausgesprochen, die „komplett irreführend“ sei und Verbraucher verunsichere.

Unterscheidung zwischen Wurst und Schinken

Die Deutsche Lebensmittelbuchkommission, die definiert wie Lebensmittel beschaffen sind und was drin steckt, leitet ihren Leitsatz für vegane und vegetarische Produkte jetzt den Verbänden und Bundesländern zugeleitet. Die Verbände haben sechs Wochen Zeit, Stellung zu nehmen. In dem Entwurf ist vorgesehen, dass Begriffe, die zum Beispiel bestimmte Fleischteilstücke oder Tiere beschreiben - „Filet“, „Schinken“, „Hühnchen“ oder „Rind“ -, nicht verwendet werden dürfen. Spezielle Bezeichnungen wie „Salami“ sollten nach Meinung der Kommission über Umwege wie „vegane Tofu-Wurst nach Salami-Art“ zulässig sein. Till Strecker vom Vegetarierbund Deutschland kritisierte das als Willkür: „Die Logik, die dem zugrunde liegt, ist nicht erkennbar.“ Zufrieden zeigte sich der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF): Der Entwurf gehe in die richtige Richtung. „Wie zu erwarten, wird es die verbraucherfreundliche Anlehnung an bestehende Bezeichnungen von Fleischwaren auch weiterhin geben, wenn der Verbraucher dadurch nicht irregeführt wird“, sagte Thomas Vogelsang vom BVDF der Deutschen Presse-Agentur. Das Verbot von Bezeichnungen wie „vegetarisches Rindersteak“ sei eine sinnvolle Klarstellung.

Schon Anfang Juli zeichnete sich eine Entwicklung in diese Richtung ab. Denn für ein Verbot herkömmlicher Fleischbezeichnungen für Veggie-Produkte gibt es keine Rechtsgrundlage. Der Europäische Gerichtshof hatte damals entschieden, dass rein pflanzliche Produkte nicht als „Milch“, „Joghurt“ oder „Käse“ bezeichnet werden dürfen. Für Fleischzeugnisse gilt ein derartiger Bezeichnungsschutz jedoch nicht, stellt das Gericht explizit klar. (kbo)
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