Der bisher längste Streik im aktuellen Tarifkonflikt soll bis zum Sonntag. 10. Mai, 9 Uhr, andauern. Beim vorherigen, dreitägigen Streik vom 21. bis 24. April waren die Auswirkungen für die Agrarbranche gering, da die meisten Transporte mit LKW und Binnenschiffen abgewickelt werden. Indirekt wird sich der Streik aber auch auf Straßentransporte auswirken. Weil viele Verkehrsteilnehmer auf das Auto umsteigen, rechnen Verkehrsexperten mit längeren Staus auf den Autobahnen. Die Lage verschärft sich dadurch, dass der Arbeitskampf nun sechs Tage dauern wird.

Der Streik stößt in der Politik auf scharfe Kritik. „Der Tarifstreit bei der Bahn ist für Außenstehende kaum noch nachzuvollziehen", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel (SPD). Der Ausstand der Lokführer werde „Pendler und Reisende, aber auch die Deutsche Bahn und die gesamte deutsche Wirtschaft insgesamt schwer treffen". Alle Beteiligten müssten sich fragen, ob der durch den Streik verursachte Schaden noch „in einem vernünftigen Verhältnis zur eigentlichen Auseinandersetzung" stehe, sagte der Wirtschaftsminister. „Statt Deutschland lahmzulegen, brauchen wir ernsthafte Verhandlungen", forderte Gabriel. Die Einsetzung eines Schlichters fordert auch der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag Anton Hofreiter.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte am Sonntag an die Gewerkschaft appelliert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und einen neutralen Vermittler einzuschalten. „Wir fordern die GDL zu einer Schlichtung auf, weil wir rasch Ergebnisse wollen“, sagte Weber: „Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir eine neutrale Instanz hinzuziehen müssen.“ (az)
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