Sanktionen

Russland will Agrarimporte verringern


Die anstehende Debatte zur Verlängerung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland sollte für einen Strategiewechsel genutzt werden, fordert Wolfgang Büchele, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Er machte sich am Donnerstag in einem Statement für einen „Einstieg in den Ausstieg aus den Sanktionen“ stark. Büchele kritisierte in diesem Zusammenhang, dass hochrangige Politiker in Russland immer wieder davon sprächen, die Gegensanktionen im Agrarbereich einseitig bis ins Jahr 2017 zu verlängern.

Russlands Agrarbranche profitiert

Eine Entscheidung ist in Moskau zwar noch nicht gefallen, aber für die russische Agrarbranche wäre eine Verlängerung des Importembargos von Nutzen. Russlands Agrarminister Alexander Tkatschew unterstrich vor wenigen Tagen in China beim G-20-Treffen mit seinen Kollegen, dass der Selbstversorgungsgrad bei vielen Produkten fast erreicht sei. „Europäisches Fleisch ist auf dem russischen Markt nicht mehr wettbewerbsfähig“, sagte der Minister. Ein Faktor sei die Abwertung des russischen Rubels. Die russischen Landwirte hätten aber auch gelernt, preiswerter und mit höheren Qualitäten zu produzieren, so Tkatschew. „Europäisches Fleisch hat bei uns nichts zu suchen“, zitiert ihn das russische Internetportal Agroinfo. Russland habe vielmehr Interesse, Fleisch zu exportieren und sucht nach Angaben von Tkatschew Absatzmöglichkeiten.

Treffen in St. Petersburg

Es gibt also viel Gesprächsbedarf, wenn sich Politiker aus Russland und der EU bei offiziellen Anlässen treffen. Das Klima verbessern soll in der kommenden Woche die Teilnahme von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am jährlichen Petersburger Wirtschaftsforum. In den vergangenen beiden Jahren fehlten offizielle EU-Teilnehmer an der Konferenz in der russischen Ostsee-Metropole. Die EU entscheidet über ihre Sanktionen spätestens Ende Juni. Dann steht das Thema in Brüssel auf der Tagesordnung des EU-Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs. (db)
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