Schrumpfkurs

Russlands Verbraucher sparen


Mit einer starken Rezession rechnet Euler Hermes in Russland. In diesem Jahr könnte das Bruttosozialprodukt um 5,5 Prozent im Vergleich zu 2014 schrumpfen, für 2016 rechnet der Kreditversicherer mit einem weiteren Rückgang um etwa 4,0 Prozent. Als Gründe führt Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe, die hohe Inflation sowie den Verfall der russischen Währung an.

Hinzu kommt, dass der Staat wegen der geringeren Öleinnahmen seine Sozialausgaben drosseln wird. Bei Nahrungsmitteln treibt zusätzlich der Importstopp für zahlreiche EU-Produkte die Preise. Diese Faktoren zusammen führen nach Subrans Einschätzung dazu, dass die russischen Verbraucher ihren Konsum deutlich einschränken werden. Noch größer wird der Einschnitt bei den Investitionen. Die Prognose lautet auf minus 15 Prozent in diesem Jahr und minus 10 Prozent im Jahr 2016.

Die Kapitalflucht hat bereits 2014 ihren Höhepunkt erreicht. Nach Schätzungen von Euler Hermes sind netto 152 Mrd. US-$ aus Russland abgezogen worden. 2015 könnten netto weitere Abflüsse von 80 Mrd. US-$ und 2016 etwa 65 Mrd. US-$ folgen.

Hoffnungen, dass der ökonomische Druck Russland zu politischen Zugeständnissen bewegen könnte, dämpft Euler Hermes. „Der Dreijahresplan der Russischen Zentralbank lässt den Rückschluss zu, dass Russland selbst damit rechnet, dass die Sanktionen bis mindestens Ende 2017 Bestand haben“, sagt Subran. Er verweist auf immer noch „komfortable“ russische Währungsreserven. Deswegen schließt der Kreditversicherer vorerst auch einen Staatsbankrott, wie Russland ihn 1998 erlebt hatte, aus. (db)
stats