Umweltgutachten 2016

SRU rügt deutsche Agrarpolitik


Darin kritisiert das Expertengremium vor allem die mangelnde Reformbereitschaft des Bundeslandwirtschaftsministeriums und mahnt eine aktivere Rolle des Bundesumweltministeriums an.
Die deutsche Agrarpolitik sei ein "Negativbeispiel". Deutschland habe eher auf
eine Abschwächung der ökologischen Reformbemühungen der Europäischen Kommission hingewirkt und auch national die Spielräume für eine ambitionierte Umsetzung ungenutzt gelassen, heißt es in dem Gutachten. Zudem fehle ein "breiter Konsens für eine umweltgerechte und zukunftsfähige Landwirtschaft".

Refugien und Pufferzonen vom Pflanzenschutz

Konkret kritisieren die Experten im Umweltgutachten 2016 den übermäßigen Einsatz von Pestiziden. Sie fordern eine Abgabe auf Pflanzenschutzmittel sowie Refugien und Pufferzonen, in denen keinerlei Pflanzenschutzmittel angewendet werden dürfen, zum Beispiel an Gewässern und Feldrändern. Die Experten fordern zudem eine „ökologische Transformation“ der Landwirtschaft. Deutschland besitze die ökonomischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen, um eine solche Trendwende einzuleiten. Die deutsche Umweltpolitik könne eine wichtige Vorbildfunktion entfalten.

Als "hartes Urteil für die Bundesregierung" wertete Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, das Gutachten. "Es offenbart eine völlig verfehlte Landwirtschafts- und Energiepolitik. Wir brauchen die Agrarwende, um die Gesundheit der Verbraucher zu schützen und um eine auskömmliche Zukunft für die Bäuerinnen und Bauern zu sichern."

Mit deutlicher Kritik reagierte hingegen der Deutsche Bauernverband (DBV) auf das Umweltgutachten. Nach der Beurteilung  des DBV-Umweltbeauftragten Eberhard Hartelt liefen die angemahnten „strukturellen Veränderungen“ der Landwirtschaft auf eine „Extensivierung und faktische Stilllegung großer Teile der Landwirtschaft und der ländlichen Räume“ hinaus.  (mrs)




stats