Wolfsmanagement

Schäfer wollen sich wehren

Die Halter von Weidetieren wie Schafen, Rindern oder Damwild sehen sich an der Grenze der Belastbarkeit. Trotz immenser Anstrengungen können sie weitere Übergriffe durch den Wolf nicht verhindern, teilt das Landvolk Niedersachsen mit. Sie wollen auch nicht länger den grausamen Anblick der durch den Wolf gerissenen oder verstörten Tiere ertragen.

Zäune bieten keinen ausreichenden Schutz

Schäfer fühlen sich beim Thema Wolf von der Politik allein gelassen.
-- , Foto: LWK Niederschsen
Schäfer fühlen sich beim Thema Wolf von der Politik allein gelassen.
„Die Tierhalter sind psychisch und physisch ausgelaugt. Im Wettlauf gegen weitere Wolfsübergriffe sind sie ohne echte Bestandsregulierung des Wolfes dauerhaft zum Verlierer verdammt“, sagt Hartmut Schlepps für das Landvolk Niedersachsen. Er wehrt sich auch gegen immer höhere Zäune und andere Herdenschutzmaßnahmen. Dann entstünden aus ursprünglich offenen Weidelandschaften Zug um Zug „Hochsicherheitstrakte", die aber keinen wirksamen Schutz gegen weitere Angriffe des Wolfes bieten würden, warnt Schlepps.

Auffällige Tiere abschießen

„Wohlmeinende Beteuerungen des Umweltministers, er nehme die Sorgen der Schafhalter ernst, helfen uns nicht. Wir wollen den Wolf nicht großflächig bejagen oder ausrotten, sondern auffällig gewordene Tiere abwehren und auch abschießen dürfen“, sagt Jörk Hehmsoth, Deichschäfer an der Aller. Er stuft bei einer weiteren Ausbreitung des Wolfes auch die Deichsicherheit als sehr gefährdet ein, die Schafhalter würden deren Pflege dann ebenso aufgeben wie die von Naturschutzgebieten.

Zweifel an Zahlen zu Wolfsrissen

In einem Gespräch mit Umweltminister Stephan Wenzel am Donnerstag in Visselhövede zweifelten Schafhalter und Vertreter der Deichverbände auch an den statistischen Zahlen zu Wolfsrissen und betroffenen Tierhaltern. Viele kleinere Schafhalter meldeten getötete Tiere nicht mehr, sie würden sich vielmehr „still und leise aus der Schafhaltung zurückziehen", ohne in der Statistik aufzutauchen.

Wolfsmanagement lässt Tierhalter allein

„Das Wolfsmanagement beschränkt sich auf finanzielle Billigkeitsleistungen, lässt die Tierhalter aber mit ihren Ängsten und Nöten allein“, verdeutlicht Dr. Helmut Wilke vom Stader Schafzuchtverband. Gefragt sei jetzt ein echtes Management, das den Tierhaltern eine wirksame Abwehr auffälliger Wölfe erlaube. Dazu zählt der gezielte Abschuss einzelner Tiere ebenso wie die Vergrämung auffälliger Einzeltiere, um die Weidetiere in der offenen Weidelandschaft Nordwestniedersachsens effektiver schützen zu können. Derzeit aber genieße der Schutz des Wolfes einen weitaus höheren Stellenwert als der von Schafen und anderen Weidetieren. (SB)
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