Milchmarkt

Schmidt erhält Brandbrief


Theodor Aue, LWB Auenland GbR, übergibt Bundesagrarminister Chrisitan Schmidt den Brandbrief zur Milchkrise.
-- , Foto: da
Theodor Aue, LWB Auenland GbR, übergibt Bundesagrarminister Chrisitan Schmidt den Brandbrief zur Milchkrise.

Wo sich der Bundesagrarminister derzeit in der Öffentlichkeit blicken lässt, dauert es nicht lange, und er wird von aufgebrachten Milchbauern in eine Diskussion über den massiven Preisverfall bei der Milch verwickelt. Zum informellen Agrarrat in Luxemburg am Wochenanfang brachten Bauern aus Belgien und Frankreich ihren Unmut über die ihrer Meinung nach unzureichenden Hilfszusagen der EU über 420 Mio. € für die Milch- und Schweineerzeuger zum Ausdruck.

Minister an Weiterfahrt gehindert

Am gestrigen Mittwoch versperrten Berufskollegen in Schinne (Sachsen-Anhalt) mit ihren Traktoren die Zufahrtsstraßen. Schmidt reist derzeit, ebenso wie der Rest des Bundeskabinetts im Rahmen des Projektes "Gut leben in Deutschland" durchs Land, um sich mit Bürgern über ihre Vorstellung von Lebensqualität und ländlicher Entwicklung zu sprechen. Vor der Weiterreise von Schinne zur nächsten Station zum Bürgerdialog in Kläden versperrten Bauern von Schinne und dem Kreis Bismark in der Altmark die Hauptstraße und hinderten den Minister die Weiterreise. Sie wollten mit Schmidt über ihre katastrophale Lage diskutieren. Die finanzielle Hilfe aus Brüssel für Deutschland in Höhe von 70 Mio. € halten die Milchbauern für zu wenig. „Ich weiß nicht, ob ich über die schätzungsweise eintausend Euro, die ich als Entschädigung erhalte, lachen oder weinen soll,“ sagte Theodor Aue, LWB Auenland GbR.

Sein Milchbetrieb mit 450 Kühen stünde vor großen Schwierigkeiten. Der diesjährige Wertschöpfungsverlust je Kuh werde auf rund 1.000 Euro geschätzt, sagte Aue in einer sehr emotionalen Ansprache zu Schmidt. Er überreichte ihm einen Brandbrief der Altmärkischen Milchviehbetriebe. Darin wird für die Landwirte im Kreis ein Wertschöpfungsverlust von 76 Mio. € angegeben.

Bei niedrigen Preisen Mengen reduzieren

Damit steht für dieses Jahr dem Betrieb von Aue ein Verlust von 450.000 € bevor. „Wir wollen kein Geld, sondern mengenreduzierte Maßnahmen, wenn der Milchpreis auf einen bestimmten Wert absinkt“, erklärt ein andere Landwirt. Sachlich stellt Schmidt klar, dass nach dem Ende der Milchquote keine Basisrechtsakte mehr eine Mengenregulierung zulasse. Er versprach den Landwirten, sich für Exportmärkte einzusetzen und forderte sie auf, ihre Position in der Wertschöpfungskette, sprich Molkereien, zu stärken. Er verweist auf Prognosen, nach denen der Milchpreis im kommenden Frühjahr sich wieder etwas erholen könnte.

Einen Anstieg des Interventionspreises abgeleitet für Milch von 22 auf 25 Cent/Liter hält Schmidt für fragwürdig. Sobald sich der Marktpreis in Richtung Interventionsniveau bewege, verstärke dies den Trend nach unten. Schnelle Eingrifffe wie Zinsverbilligungen für getätigte Investitionen sowie Steuerstundungen für Betriebe, die finanziell in der Klemme stecken, sind für Schmidt das Gebot der Stunde.

Schmidt hat für Anfang nächster Woche die Länderminister ins Bundesagrarministerium in Berlin eingeladen, um mit ihnen über die Verteilung der 70 Mio. € Liquiditätshilfen aus Brüssel zu sprechen. Ein weiteres Treffen ist die Agrarministerkonferenz Anfang Oktober in Fulda. (da)
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