Die von der EU vergangene Woche beschlossenen neuen Vorgaben zur Vermeidung von krebserzeugendem Acrylamid stoßen auf Widerstand bei Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Die Regeln seien eine "Gängelei" und schössen über das Ziel weit hinaus, meldet lebensmittelzeitung.net.

Stärkearme Kartoffeln

"Der Vorstoß aus Brüssel ist nicht praktikabel und überflüssig. Er wird als Belastung empfunden", sagte der CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse". Vertreter der EU-Staaten hatten vergangene Woche neue Vorgaben für Lebensmittelhersteller, Restaurants und Backstuben beschlossen. Deutschland enthielt sich mit fünf weiteren EU-Ländern der Stimme, die übrigen 22 Vertreter votierten dafür. 
Die neuen Regeln richten sich in erster Linie an professionelle Lebensmittelhersteller und -verarbeiter. So wird zum Beispiel vorgegeben, Kartoffelsorten mit wenig Stärke zu verwenden und bei Pommes die Stärke vor dem Frittieren auszuwaschen. Zudem sollen die Hitze beim Garen auf das Nötigste begrenzt und die Waren so wenig wie möglich gebräunt werden. Bräunungstabellen sollen einen Anhaltspunkt geben. Während Verbraucherschützer die Regelungen begrüßten, nannte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband die Verordnung unverhältnismäßig, überflüssig und bürokratisch.

Gegen Detailanweisungen aus Brüssel

Stärke ist die Quelle
Acrylamid entsteht beim Rösten, Backen, Braten oder Frittieren vor allem bei besonders stärkehaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln und Mehl sowie Kaffee. In Tierversuchen wurde ein erhöhtes Krebsrisiko nachgewiesen. Ziel der neuen EU-Regeln ist es, beim Garen möglichst wenig Acrylamid entstehen zu lassen. Sie könnten im kommenden Frühjahr in Kraft treten.
Deutschland habe sich ebenso wie Österreich für "Höchstgehalte statt für detaillierte Minimierungsmaßnahmen" des Stoffes ausgesprochen, sagte Schmidt. "Es gibt immer Handlungsbedarf, um das Essen gesünder zu machen. Aber das muss über Informationen, Ernährungsbildung und gut ausgebildete Fachleute wie Köche geschehen und nicht über Detailanweisungen aus Brüssel, die weit über das Ziel hinausschießen." 

Sowohl das Europaparlament als auch der Rat als Vertretung der EU-Staaten haben drei Monate Zeit, um gegebenenfalls Widerspruch gegen die Vorgaben einzulegen. Dass die EU-Staaten die Regeln verhindern, gilt angesichts der großen Mehrheit dafür im Ausschuss als äußerst unwahrscheinlich. Schmidt hofft deshalb auf Unterstützung im EU-Parlament. (az)


stats