Einen Tag vor dem geplanten Aktionstag des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zu niedrigen Erzeugerpreisen am morgigen Mittwoch zeigt sich Bundesagrarminister Schmidt betont realistisch und gleichzeitig auch defensiv. Weder die EU noch ein einzelner Mitgliedsstaat könne einen globalen Markt durch europäische oder nationale Eingriffe lenken, so der Minister. Wer anderes behaupte, verhalte sich unredlich gegenüber den Betroffenen und der Öffentlichkeit, heißt es in der Mitteilung aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) von Dienstag.

Schmidt bezieht sich auf ein von ihm einberufenes "Milchstrukturgespräch" in der vergangenen Woche. Darin hatte er sich mit Vertretern der Milcherzeuger und Molkereiwirtschaft über die aktuelle Entwicklung am Milchmarkt beraten. Teilnehmer des Gespräches waren der Deutsche Bauerverband, der Milchindustrieverband, die Milchwerke Schwaben, die Bayerischen Privatmolkereien, der Raiffeisenverband, das Deutsche Milch Kontor und Friesland Campina.

Schmidt sieht gesamte Wertschöpfungskette in der Pflicht

Weiterhin fordert der Minister Liquiditätshilfen von der EU zur Unterstützung der Betriebe. Auf dem EU-Agrarrat in der vergangenen Woche sei auch beschlossen worden, Erzeugern und Molkereien die Möglichkeit zu geben, über Vereinbarungen die Angebotsmengen befristet zu reduzieren. Die Wirtschaftsbeteiligten seien auf allen Stufen in der Verantwortung, ein besseres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu finden. Ein ruinöser Mengenwettbewerb drücke immer mehr die Preise, so der Minister.

Vetreter der hiesigen Milchwirtschaft zeigen sich allerdings kritisch, ob die Beschlüsse des EU-Agrarrats zur erwünschten Wirkung, einer Stabilisierung des Milchmarktes, führen werden. So halten es Marktkenner für unwahrscheinlich, dass EU-Mitgliedstaaten wie die Niederlande oder Irland, die auf eine Ausweitung der Milcherzeugung setzen, die Produktion drosseln werden. Und auch in Deutschland werden wohl die meisten Branchenvertreter die Wettbewerber beobachten, wer sich zuerst bewegt, bevor sie in Richtung Mengenregulierung aktiv würden, hieß es gegenüber agrarzeitung.de. (jst/pio)
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