Russlandembargo

Schmidt sucht Schlupflöcher


Für Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) waren die zweitägigen Gespräche in Russland ein Drahtseilakt. Einerseits konnte der Bayer die offizielle Linie der Bundesregierung nicht verlassen, nach der ein Aufweichen der EU-Sanktionen gegen Russland an Fortschritte im Ukraine-Konflikt geknüpft ist. Auf der anderen Seite wollte er ausloten, wie weit die russischen Gegensanktionen abgemildert werden können.

Claas als Vorbild für deutsche Unternehmen

Schmidt suchte in Moskau nach Wegen, den russischen Einfuhrstopp zu beenden.
-- , Foto: BMEL
Schmidt suchte in Moskau nach Wegen, den russischen Einfuhrstopp zu beenden.
Schmidt hatte den Vizepremier-Minister, den Industrieminister, den Wirtschaftsminister und seinen russischen Agrarministerkollegen getroffen. Ein Thema war dabei die Unterstützung deutscher Unternehmen aus der Agrarbranche, die in Russland investieren wollen. Als Vorbild sieht Schmidt dabei Claas. Der westfälische Landtechnikhersteller hat in Krasnodar 120 Mio. € in ein Mähdrescherwerk investiert und sich so den Status eines „Vaterländischen Herstellers“ verdient. Dieses Modell könnte ein Vorbild für andere Unternehmen sein, beispielsweise für das Deutsche Milchkontor. Die DMK Group verhandelt zurzeit über eine Beteiligung an der Milchsparte des russischen Unternehmens RichArt Group. Der Käsehersteller im Oblast Woronesch, südwestliches Russland, könnte vom deutschem Know-how profitieren und dem DMK langfristig den Zugang zum russischen Markt erleichtern. Solche „Sonderinvestitionsvorhaben“ möchte Schmidt anschieben, berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung.

Weitere Gespräche im Herbst geplant

Schmidt plant, mit der russischen Seite im Gespräch zu bleiben. "Mein Ziel ist es, das russische Embargo gegen europäische Lebensmittel Stück für Stück aufzulösen", erklärte Schmidt. Das Embargo helfe Russland nicht weiter, es verschärfe die Krise im Land. Bereits im Herbst will er wiederkommen, um weiter zu verhandeln. Beispielsweise darüber, ob Russland und Deutschland nicht gemeinsam Agrarprodukte in Drittmärkte exportieren können. Auch die Übernahme der europäischen Standards für den Ökolandbau soll dann ein Thema sein. Russland könnte so dabei helfen, den wachsenden Bedarf an Bio-Lebensmitteln in Deutschland zu decken.

DBV lobt Schmidts Engagement

Der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßte Schmidts Reise. Sie unterstreiche, dass die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft den potenziellen Handelspartner Russland nicht aus dem Auge verlieren dürfe, erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied. Wenn Bundesminister Schmidt jetzt die Möglichkeiten auslotet, um die Handelsbeziehungen wieder zu beleben, sei das im gegenseitigen Interesse. Dabei seien auch kleine Schritte hilfreich, so Rukwied. (SB)
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