IARC-Studie

Schmidt verteidigt Bratwurst


„Niemand muss Angst haben, wenn er mal eine Bratwurst isst!“. Mit diesem Statement reagiert Bundesagrarminister Schmidt auf die Einstufung von verarbeitetem Fleisch als krebserregend und von rotem Fleisch als wahrscheinlich krebserregend für Menschen durch die Internationale Krebsforschungsagentur IARC am Montag. „Die Menschen werden zu Unrecht verunsichert, wenn man Fleisch mit Asbest oder Tabak auf eine Stufe stellt“, so der CSU-Politiker weiter. Nach wie vor gelte aber: „Es kommt immer auf die Menge an: Allzu viel ist ungesund.“

Ausgewogene Ernährung einfach

Agrarminister Schmidt hält die Bratwurst weiterhin für unbedenklich.
-- , Foto: Petra Bork / pixelio.de
Agrarminister Schmidt hält die Bratwurst weiterhin für unbedenklich.
Schmidt betonte, sich ausgewogen zu ernähren sei noch nie so einfach gewesen wie heute: „Wir haben die Qualität und wir haben die Information“, unterstrich der Minister.

Auch der Deutsche Bauernverband kritisiert, dass Schlagzeilen über die Krebsgefahr durch den Wurstverzehr die Verbraucher verunsichern. Gleichwohl beurteilt der DBV die WHO-Einstufung nüchtern, wie der Verband auf Anfrage von agrarzeitung.de mitteilte: Die Studien, die die WHO-Behörde IARC ausgewertet hatte, bewerteten das Krebsrisiko durch den Fleischkonsum durchaus unterschiedlich. Die Einschätzungen reichten von „nicht vorhanden“ bis „leicht erhöht“. Stark vereinfachende Schlagzeilen würden allerdings die kritische Diskussion über den Fleischkonsum, die in der Gesellschaft seit einigen Jahren geführt würde, noch verstärken.

Fleischwirtschaft demonstriert Gelassenheit

Gelassen gibt sich der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) in Bonn. Die IARC klassifiziere chemische und biologische Stoffe, Umweltfaktoren und Berufsbilder hinsichtlich des Potenzials, Krebs auslösen zu können. Dabei bleibe das Risikopotential, tatsächlich an Krebs zu erkranken, völlig unbeachtet. „Die aktuelle pauschale Einstufung von Fleischwaren und rotem Fleisch ist deshalb allein wenig aussagekräftig für den Einfluss auf die menschliche Gesundheit“, so der VDF. Im Übrigen erkenne auch die WHO an, dass Fleisch zu einer ausgewogenen Ernährung gehöre: Sie empfehle einen Fleischverzehr von 300 Gramm pro Woche. „Die Empfehlung der auch Fleisch kritischen Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt bei bis zu 600 Gramm“, betont der VDF.

Auch der Spitzenverband der Ernährungswirtschaft, der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) sieht die IARC-Einstufung gelassen. Der BLL erwartet auch nach der Klassifizierung von verarbeitetem und roten Fleisch "keine merkbaren Änderungen im Absatz von klassischen Fleischprodukten", teilte Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff auf Anfrage von agrarzeitung.de mit.

Grundlage für die Empfehlung der IARC, verarbeitetes und rotes Fleisch als potentiell krebserregend einzustufen, schaffte die Analyse von rund 800 Studien. Eine Arbeitsgruppe von 22 Wissenschaftlern aus 10 Ländern hatte die Arbeiten ausgewertet. Die Ergebnisse bestätigten geltende Gesundheitsempfehlungen, den Konsum von Fleisch zu begrenzen, sagte Agentur-Chef Christopher Wild. Ein um 50 g täglich gesteigerter Konsum von verarbeitetem Fleisch wie Kassler, Wurst oder geräuchertem Schinken, steigere das Dickdarmkrebsrisiko um 18 Prozent, so die Krebsagentur. Wild betont aber auch, dass rotes Fleisch einen hohen Nährwert hat.

Die Ergebnisse sollen den Regierungen helfen, Risikoanalysen abzuleiten, den Nutzen und die Risiken des Fleischkonsums zu bewerten und so die bestmöglichen Ernährungsempfehlungen zu geben. (pio)
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