Nutztierstrategie

Schmidt will Qualität statt Quantität

Christian Schmidt will das Tierwohl verbessern sowie die Umweltwirkungen der Tierhaltung mindern. Das sind wesentliche Ziele der lange angekündigten Nutztierhaltungsstrategie, die das Bundeslandwirtschaftsministerium heute veröffentlicht hat. Es stellt sich damit nach eigener Aussage den „Herausforderungen zur notwendigen Weiterentwicklung“. Gewollt sei eine Strategie, „die auf den Qualitätswettbewerb und nicht auf den Mengenwettbewerb ausgerichtet ist“.

Schmidt will Bauern Planungssicherheit geben

Schmidt bekräftigte anlässlich der Veröffentlichung der Strategie sein Ziel, die Nutztierhaltung in Deutschland zu erhalten. Mit der neuen Strategie würden die Haltungsbedingungen in Deutschland auf breiter Linie verbessert und den Bauern Verlässlichkeit und Planungssicherheit gegeben. Die Landwirte müssten wissen, welche Anforderungen auf sie zukommen und wie sich ihre Investitionen in mehr Tierwohl bezahlt machten.

Mehr Aktzeptanz für die Tierhaltung

Mit einem klaren Rahmen könnten Konflikte bei der Tierhaltung abgebaut und die gesellschaftliche Akzeptanz für die Tierhaltung erhöht werden. „Das heißt aber für mich auch: im Zweifelsfall für das Tierwohl“, stellt Schmidt bei der Vorstellung des 60 Seiten starken Konzeptes klar. Zu den Details will das Ministerium jetzt in den Dialog mit den Tierhaltern, der gesamten Branche sowie den Ländern und Verbänden gehen.

Kritiker werfen Schmidt Wahlkampftaktik vor

Erste Reaktionen fallen durchwachsen aus. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kristisierte etwa den Veröffentlichungszeitpunkt der Strategie. „Wer diese in den letzten Sitzungstagen, ja Sitzungsstunden des Deutschen Bundestages vor der Bundestagswahl vorstellt und so die Chance auf eine Gesetzesinitiative verstreichen lässt, der setzt sich dem Vorwurf aus, es nicht ernsthaft zu wollen, sondern nur für den Wahlkampf gerüstet zu sein", so Schröder.

Der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Martin Schulz kritisierte, dass die Nutztierstrategie des BMEL in punkto Orientierung keine Antworten liefere. „Die Festlegung der Ziele verschiebt das Ministeriumspapier weiter auf die Zukunft und verweist zunächst nur auf die Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirates aus dessen Gutachten vom März 2015". Noch gravierender für die Betriebe sei aber, dass der Minister die Bauern mit den Mehrkosten der Erzeugung weitgehend im Regen stehen lasse. „Wir fordern für den Übergang des notwendigen Umbaus eine neue, zusätzliche Finanzierungsquelle. Für den Umbau der Tierhaltung brauchen wir frisches Geld und ein regelrechtes Konjunkturprogramm“, erklärte Schulz. (mrs)
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