Legehennen

Schnabelkürzen läuft 2016 aus


Günter Scheper, Bundesverband Deutsches Ei, Leo Graf von Drechsel, Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft und Bundesminister Christian Schmidt unterzeichnen die freiwillige Vereinbarung.
-- , Foto: Jürgen Struck
Günter Scheper, Bundesverband Deutsches Ei, Leo Graf von Drechsel, Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft und Bundesminister Christian Schmidt unterzeichnen die freiwillige Vereinbarung.

Das umstrittene Verfahren des Schnabelkürzens bei Legehennen soll in Deutschland bald Vergangenheit sein. Bundesagrarminister Christian Schmidt und Vertreter der Geflügelwirtschaft einigen sich auf den Ausstieg zum 1. August 2016. Der Verzicht auf das Schnabelkürzen sei ein zentraler Bestandteil seiner Tierwohl-Initiative "Eine Frage der Haltung", so Schmidt heute in Berlin. Er sei sehr erfreut, mit den Spitzenverbänden der Geflügelwirtschaft diese wegweisende Vereinbarung getroffen zu haben. 
 
Die Geflügelwirtschaft erklärt sich bereit, auf das Kupieren der Schnäbel von Junghennen und später auch Puten zu verzichten. Im Gegenzug erhält sie die Möglichkeit, in zu erwartenden Notfällen in den Ställen angemessen reagieren zu können. Denn Federpicken und Kannibalismus in Legehennenherden lassen sich nicht per Gesetz verbieten und hohe Tierverluste und ökonomische Schäden hätten allein die Halter zu tragen. Aus Erfahrungsberichten ist bekannt, dass in Herden mit ungekürzten Schnäbeln in extremen Situationen sehr rasch Tierverluste von bis zu 50 Prozent entstehen können. 

Den Legehennenhaltern wird die Möglichkeit eröffnet, auf Anordnung eines Tierarztes im Krisenfall die Ställe kurzfristig zu verdunkeln, ohne einen Verstoß gegen das bestehende Tierschutzgesetz zu begehen. Gemeinsam mit den Erzeugern hoffe er darauf, dass die vereinbarung auf eine entsprechende Resonanz im Lebensmitteleinzelhandel stoße. Der Verzicht auf das Schnabelkürzen bedeute für die Erzeuger von Eiern einen erheblichen Mehraufwand und höhere Kosten. Dies müsse honoriert werden, so Schmidt. Die Vereinbarung biete jedoch auch die Chance, dass Deutschland "zum EU-Trendsetter in Sachen  Tierwohl" werden könne. Sein Ziel bleibe es, gemeinsam mit den betreffenden Branchen praxistaugliche Lösungen zu entwickeln, statt auf dem Gesetzeswege unrealistische Zielvorgaben zu machen. (jst)
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