Stern TV-Bericht

Schulze Föcking weist Kritik zurück

Nachdem am Mittwoch bei Stern TV Bilder aus einem Mastschweinestall der Familie Schulze Föcking gezeigt wurden, fordern Tierschutzorganisationen den Rücktritt der CDU-Politikerin. Die Albert Schweitzer Stiftung kündigte eine Strafanzeige gegen die Ministerin an. Mit den im Fernsehen gezeigten Bildern reihe sich der Betrieb von Schulze Föcking „in die traurige Reihe vieler konventioneller Mastbetriebe ein“, erklärt die Organisation Vier Pfoten. „Dass dieser Betrieb ohne Beanstandungen bei den Behörden durch die Kontrolle gehen konnte, zeigt, wie schwach die tierschutzrechtlichen Vorschriften an die Schweinehaltung in Deutschland sind“, kritisiert Kampagnenleiterin Denise Schmidt.

Landwirte nicht an den Pranger stellen
Der Deutsche Tierschutzbund hält es für falsch, einzelne Landwirte an den Pranger zu stellen. Es gehe vielmehr „um die Systemfrage, welche Tierhaltung wir akzeptieren wollen“, erklärt der der Verband zur aktuellen Diskussion. Wichtig dabei sei, dass die notwendige Wende in der Landwirtschaft nicht als Kampf gegen Landwirte interpretiert werde. Notwendig sei eine zukunftsorientierte Tierhaltung, die auch für den Landwirt Chancen bietet. „Die sollten sich Frau Schulze Föcking und das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium auf die Fahnen schreiben - ebenso wie die Parteien im Bundestag und die zukünftige Bundesregierung“, fordert der Tierschutzbund.

Kritik an Hygiene im Stall

„Man ist als Tierarzt schon gewöhnt, Bilder zu sehen, die nicht schön sind. Aber das in dem Ausmaß und auch bei so vielen Tieren zu sehen, ist schon schwer erträglich“, kommentiert die Tierärztin Dr. Ophelia Nick die bei Stalleinbrüchen entstandenen Filmaufnahmen in dem Fernsehbeitrag von Stern TV. Sie kritisierte die mangelnde Hygiene im Stall. Einige Tiere hätten aufgrund ihrer schweren Verletzungen notgetötet werden müssen. Nick ist auch als Agrarpolitikerin aktiv und kandidiert bei der Bundestagswahl für Bündnis 90/Die Grünen in NRW.

Stellungnahme von Frank Schulze Föcking

Stellungnahme_Betrieb_Schulze_Foecking.pdfIn einer Umfangreichen Stellungahme hat sich der Ehemann der Ministerin Frank Schulze Föcking zu den Vorwürfen geäußert. Darin räumt er die Verletzungen der Tiere ein. "In einem kurzen Zeitraum des ersten Halbjahres 2017 kam es innerhalb der Mast des Betriebes zu außergewöhnlichen Krankheitsverläufen", heißt es in der Mitteilung. In dem kritischen Zeitraum wurde der Betrieb nach Angaben Schulze Föckings von der Bestandstierärztin intensiv betreut. Von Mitte März bis Mitte Juni seien zehn Besuche dokumentiert, darüber hinaus habe es weitere spontane Besuche auf dem Hof gegeben. Tiere mit Verletzungen durch Schwanzbeißen seien in Krankenbuchten umgestallt und behandelt worden.

Zahlreiche Besuche der Bestandstierärztin

Von den 940 Tieren mussten laut Schulze Föcking bis zum 3. Juli 31 Tiere notgetötet werden oder sie sind verendet. 64 Tiere wurden untergewichtig zur Schlachtung gebracht. „845 Tiere befinden sich aber heute noch im Bestand und sind zum jetzigen Zeitpunkt gesund“, heißt es in der Erklärung. Davon überzeugte sich auch der Amtstierarzt bei einem Besuch am 7. Juli und ein Kontrolleur von QS, der den Betrieb am 8. Juli einem Sonderaudit unterzog. Bei beiden Kontrollen habe es keine Beanstandungen gegeben, so Frank Schulze Föcking. Seit dem 1. Juli sei seine Frau an der bisher gemeinsam betriebenen GbR nicht mehr beteiligt. (SB)
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