Tierschutz

Schutz für das ungeborene Kalb


Nach Niedersachsen veröffentlicht nun auch das Bundesland Mecklenburg-Vorpommmern ein Konzept, um das Schlachten tragender Rinder zu verhindern. Verschiedene Branchenbeteiligte und der Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) unterzeichneten das Vorhaben. Dazu gehören der Bauern-, und Rinderzuchtverband und die Landestierärztekammerin in Mecklenburg-Vorpommern. Ebenso schließen sich die LMS Agrarberatung und die Teterower Fleisch GmbH an.

Im Rahmen des Konzepts verpflichten sich Tierhalter, ihr Herdenmanagement so zu optimieren, dass keine hochtragenden Tiere geschlachtet werden müssen. Der Landwirt soll dafür von Tierärzten, Beratern und Verbänden unterstützt werden. Bevor eine Kuh geschlachtet werde, die zeitweise mit Bullen gehalten oder künstlich besamt wurde, müsse der Tierhalter garantieren, dass das Tier nicht hochtragend ist. Im Zweifelsfall sei eine Trächtigkeitsuntersuchung Pflicht. Sollte das Tier hochtragend sein, muss die Abkalbung abgewartet werden.

Notschlachtungen möglich

Ausnahmen hiervon sind möglich, besonders wenn das kranke Tier nicht geheilt werden kann. Dies müsse allerdings vorher dem Schlachtbetrieb mitgeteilt werden. Außerdem werden Tiere, die trächtig am Schlachthof ankommen, dokumentiert. Daraufhin erhalte sowohl der Landwirt, als auch die zuständige Veterinärbehörde eine Rückmeldung. Die Veterinärbehörde verwendet solche Mitteilungen im Rahmen der Risikoanalyse für die veterinärfachliche Kontrolle der Tierhaltung.

Geringer Anteil von Problemtieren

Aktuelle Zahlen für die erste Jahreshälfte 2015 zeigten, dass 61 Prozent aller geschlachteten Rinder weibliche Tiere waren. Von diesen weiblichen Rindern seien rund 1,24 Prozent im letzten Drittel der Tragezeit. Die Prozentzahl von 10, die in den Medien kursiere, sei falsch. Trotzdem sei jedes Prozent eins zu viel, so Backhaus.

Die Schlachtung tragender Tiere ist tierschutzrechtlich weder auf europäischer, noch auf nationaler Ebene reglementiert, teilt das Ministerium mit. Vorgaben zum tierschutzgerechten Töten der Föten fehlten ebenfalls. Lediglich der Transport von Tieren, die nur noch einen Monat tragen, ist gesetzlich verboten. Außerdem klammere das Tierschutzgesetz den Schutz des ungeborenen Lebens bisher aus. (has)
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