Tierhaltung

Schwarzmarkt für Antibiotika im Visier

Minus elf Prozent
Im Jahr 2016 habe sich dem QS-Monitoring zufolge die bei Schweinen und Geflügel eingesetzte Antibiotikamenge im Vergleich zum Vorjahr um weitere 11,4 Prozent auf 486 t (548 t in 2015) verringert. Um 20 Prozent gesunken sei der Einsatz sogenannter kritischer Antibiotika (Wirkstoffklassen Fluorchinolone und Cephalosporine der 3.und 4. Generation) auf 5.240 kg. 2014 und 2015 waren es noch 7.650 kg bzw. 6.570 kg. Die Anwendung dieser Wirkstoffgruppen macht in der Tierhaltung jedoch lediglich 1 Prozent des gesamten Antibiotika-Einsatzes aus. Ausgewertet wurden mehr als 2,5 Millionen Behandlungsbelege aus der Antibiotikadatenbank von QS. (got) 
Die Nutztierhalter in Deutschland haben die Verwendung von Antibiotika weiter reduziert, das zeigt die neueste Auswertung des Antibiotika-Monitorings der Qualität und Sicherheit QS GmbH. Die Zahlen klingen gut, siehe Kasten.

Nach Einschätzung des DBV sind die Werte ein eindeutiger Beleg dafür, dass die Strategie der Minimierung und Optimierung der Antibiotikaanwendung von den landwirtschaftlichen Tierhaltern erfolgreich umgesetzt wird. Der DBV will sich weiter für einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika und einen restriktiven Einsatz sogenannter kritischer Antibiotika einsetzen.

Langsam reduzieren


Es gibt aber auch andere Stimmen. Aktuell wird in der FAZ die Vermutung aufgestellt, dass die Reduktion von Medikamenten auf ein Abwandern in den Schwarzmarkt zurückzuführen sei. Die Rede ist dabei explizit von polnischen Händlern, die illegal Antibiotika verkaufen. Das soll dem Göttinger Agrarökonom Prof. Achim Spiller in persönlichen Gesprächen mitgeteilt worden sein, berichtet die FAZ am Freitag. Auch wird den Kontrolleuren, hier der QS GmbH, eine zu große Nähe zu der Branche vorgeworfen.


Solche Monitoring-Zahlen seien eindeutig ein Beleg für Erfolg, erklärt dazu Dr. Andreas Palzer, Fachtierarzt für Schweine aus Scheidegg in Bayern. Er habe bisher noch nichts davon gehört, dass es in Deutschland zunehmend einen Schwarzmarkt für Antibiotika geben solle, erklärt er gegenüber agrarzeitung.de (az).

Das sehe in Nachbarländern aber möglicherweise anders aus. Dass es beispielsweise in Dänemark zu einer Entwicklung eines Schwarzmarktes für Antibiotika gekommen ist, bestreiten laut Palzer sogar Vertreter der dänischen Tierärzteschaft nicht, erklärte er 2015 in einem Interview auf dem Portal Stallbesuch.de. und bestätigt das heute gegenüber der az.

Darüber hinaus könne man sich andererseits aber schon fragen, ob solche schnellen Reduktionen wirklich sinnvoll seien. "Der Einsatz von Antibiotika, um kranke Tiere zu behandeln, wird auch in Zukunft notwendig sein", betont Palzer. Wenn innerhalb von kürzester Zeit die Menge sinkt, dann stelle sich schon die Frage, ob das nicht zu Lasten der Gesundheit der Tiere gehe.

QS kennt keinen Schwarzmarkt

Ohne Frage brauchen wir unabhängige Auditoren, erklärt die QS GmbH zu den Vorwürfen von zu großer Nähe heute gegenüber agrarzeitung.de. Die unabhängige und objektive Durchführung der Kontrollen werde durch die akkreditierte Zertifizierungsstelle sichergestellt.

Um Interessenskonflikte auszuschließen, dürfen die mit der Durchführung der Kontrollen beauftragten Auditoren nicht prüfend für solche Unternehmen tätig werden, mit denen sie in vertraglichen oder verwandtschaftlichen Beziehungen stehen, die einer unabhängigen und objektiven Durchführung der Kontrolle entgegenstehen. Sie dürfen außerdem nicht für Betriebe tätig werden, für die sie gegenwärtig beratende, schulende, betreuend oder administrative Tätigkeiten erbringen oder in den vergangenen 24 Monaten erbracht haben.

Auch müsse der Auditor fachspezifische Kenntnisse im Sinne der Norm DIN EN ISO/IEC 17065 nachweisen. Grundlage sei eine landwirtschaftliche oder lebensmittelbezogene Ausbildung. Zu einem möglichen Schwarzmarkt liegen der QS keine Fakten vor. (kbo)




-- , Tabelle: QS GmbH

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