Mit dem Embargo für Nahrungsmittel aus der EU gerät die Leistungsfähigkeit der russischen Landwirtschaft in den Fokus des Interesses. Teils konnten Import aus anderen Erdteilen die Lieferungen aus der EU ersetzen. Dennoch verspürt die russische Bevölkerung die angespannte Versorgungslage. Das große Land mit seinen fruchtbaren Böden soll sich stärker aus heimischer Erzeugung versorgen können. Das ist das erklärte Ziel, mit dem auch der neue Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschjow angetreten ist.

Die Nachfrage nach Schweine- und Geflügelfleisch könne wohl in zwei bis drei Jahren aus russischer Erzeugung gedeckt werden, meint der Minister nach einer aktuellen Bestandsaufnahme. In der Milchviehhaltung ist das jedoch wesentlich komplizierter, räumt er ein. Mit staatlicher Unterstützung und erheblichen Anstrengungen ist hier erst in 7 bis 10 Jahren damit zu rechnen, dass genug Milch für den russischen Bedarf erzeugt wird.

In der pflanzlichen Erzeugung ist das Land zwar im großen Stil Exporteur von Getreide. Obst und Gemüse jedoch müssen umfangreicher importiert werden, obwohl Russland über fruchtbares Land in mehreren Klimazonen verfügt. Aber in drei bis fünf Jahren könnte auch der Obst- und Gemüsesektor den heimischen Bedarf decken, vermutet Tkatschjow.

Die Importe von Pflanzkartoffeln aus der EU in dieser Saison resümmiert die Aufsichtsbehörde Rosselkhoznadzor mit dem Hinweis, dass die russischen Kartoffelerzeuger stärker heimisches Pflanzgut in Erwägung ziehen sollten. Denn trotz hohem Aufwand in der Kontrolle gebe es Kritik am Pflanzgut. Die Lieferungen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Polen seien mit verschiedenen Nicht-Quarantäne-Krankheiten belastet gewesen. Lediglich Lieferungen aus Schottland und Finnland geben wohl keinen Anlass zur Klage.

Ein Weg zu mehr Selbstversorgung sieht der Minister nicht nur in der Bewirtschaftung ungenutzter Fläche sondern auch in Ertragssteigerungen. So werde bei Sojabohnen bislang nur ein Durchschnittsertrag von 13,4 t/ha erzielt. Bis zu 20 t/ha seien aber möglich. (brs)
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