Grüne Woche

Sorge um den Pflanzenschutz


"Noch ist die Situation für Landwirte relativ komfortabel", sagte Martin May mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Pflanzenschutzmittel. Der Sprecher des Industrieverbandes Agrar (IVA) wies am Donnerstag in Berlin bei einer Diskusionsveranstaltung in Berlin jedoch darauf hin, dass sich die Lage in den kommenden fünf bis sieben Jahren massiv verschlechtern werde. In diesem Zeitraum würden noch bestehende Zulassungen für aktuell angewendete Mittel auslaufen. Angesichts strengerer Vorgaben der EU könnten jedoch Neuzulassungen nicht in gleichem Umfang die Lücken füllen.

In der Forstwirtschaft sei die Situation bereits jetzt dramatisch, sagte Dr. Katrin Möller vom Landesbetrieb Forst in Brandenburg. In Waldgebieten würden vergleichsweise geringe Mengen von Mitteln zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten verwendet. Deren Ausbringung müsse bei Auftreten der Krankheiten über Hubschrauber erfolgen. Extreme Auflagen zu Art der Mittel sowie dem Anwendungsverfahren seien angesichts der kleinen Marktgröße praktisch unerfüllbar.

Im Gemüsebau bestehe ein großer Bedarf für wirksame Präparate, äußerte Dr. Holger Hennies, praktischer Landwirt im Raum Hannover. Sollten diese künftig entfallen, sei häufig mit extremen Schäden zu rechnen. Für den Getreideanbau befürchtet er den Verlust vieler Präparate. Durch die daraus resultierende verminderte Bandbreite der zur Verfügung stehenden Mittel könnten in großem Maße Resistenzen bei den Schädlingen begünstigt werden. (jst)
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