„Es ist absehbar, dass in Folge einer solchen Steuer der Maisanbau in Deutschland weiter ausgeweitet, zugleich aber die Erlöse im Ökolandbau reduziert würden“, nennt Mußhoff zwei Argumente, mit denen er auch Umweltschützer von einer Pflanzenschutzbesteuerung abbringen möchte. Der Göttinger Agrarökonom hat im Auftrag des Industrieverbandes Agrar (IVA) eine Studie des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) bewertet. Im UFZ analysierte eine Autorengruppe unter Leitung von Dr. Stefan Möckel eine mögliche Abgabe auf Pflanzenschutzmittel in Deutschland und empfahl 2015 die Einführung. Jetzt hat Mußhoff seinen Abschlussbericht vorgelegt und seine Aussagen mit Modellrechnungen untermauert.

Steuer könnte einige Betriebe zur Aufgabe zwingen

Mußhoff sieht hohe Belastungen auf die Landwirtschaft zukommen. Bereits Anfang des Jahres hatte er auf eine Reihe methodischer Fehler hinwiesen, die er in dem UFZ-Gutachten ausfindig gemacht haben will.  „Die zu erwartenden Belastungen des landwirtschaftlichen Sektors wären sehr viel höher als von den Leipziger Kollegen geschätzt“, legt Mußhoff jetzt nach. Auf schwachen Standorten könnte die Agrarerzeugung sogar unrentabel werden und die Steuer somit Betriebe zur Aufgabe zwingen.

Ökolandwirte sind Leidtragende, Vermaisung könnte zunehmen

Schließlich macht Mußhoff darauf aufmerksam, dass nach seinen Kalkulationen der Biolandbau zum „Leidtragenden einer Steuer auf Pflanzenschutzmittel“ würde. Denn es könnte zu einer Umstellungswelle kommen, die ein schnell steigendes Ökoangebot mit entsprechendem Preisdruck zur Folge hätte. Außerdem müsste die staatliche Förderung auf mehr Empfänger verteilt werden. Und noch ein Argument führt der Göttinger gegen die Steuer an: Profitieren könnte der Maisanbau, der wenig Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfordert. „Klagen über die Vermaisung der Landschaft dürften dann noch zunehmen. Dabei dürfte die Ausweitung der Anbaufläche für Mais kaum im Sinne der Befürworter einer Steuer auf Pflanzenschutzmittel sein“, sagte Mußhoff. (db)
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