Zulassung

Stimmungsmache bei Glyphosat geht weiter

Glyphosat-Gegner taten im Sommer 2017 ihre Meinung auf Plakaten kund.
-- , Fotos: Mö
Glyphosat-Gegner taten im Sommer 2017 ihre Meinung auf Plakaten kund.
Nach Muttermilch und Bier kommt nun das nächste lieb gewonne Lebensmittel an die Reihe, um die Debatte um Glyphosat anzuheizen. Dabei springt mit der Pressagentur dpa in dieser Woche auch ein renommierter Multiplikator auf den Zug auf. In dem Speiseies der Marke Ben & Jerry's wurden 1,23 Nanogramm pro Milliliter gefunden, meldete die dpa und zitiert darüber hinaus dabei die Interpretation eines Forschers, der in der Vergangenheit durch unwissenschaftliche Studien mit Ratten zum Thema aufgefallen ist. Der Glyphosatgehalt aus den meisten Proben von Ben and Jerry's Eiscreme stelle wahrscheinlich ein Gesundheitsrisiko dar, so Gilles-Eric Séralini in der dpa-Meldung von einer Pressekonferenz der Grünen im Europäischen Parlament in Brüssel. Dies wurde von vielen Medien so übernommen. So fragt auch die Süddeutsche Zeitung gestern: "Wenn Glyphosat überall ist, sind dann vielleicht auch viele Kleinstmengen schon zu viel?" Die Antwort liefert ja eigentlich schon der ADI.


Denn tatsächlich sind die Mengen der gefundenen Glyphosat-Reste sehr gering. Die erlaubte tägliche Dosis (ADI), bei der bei lebenslanger Einnahme kein Gesundheitsrisiko besteht, liegt bei 0,3 mg pro kg Körpergewicht. Ein Gesundheitsrisiko besteht somit bei 600.000 Kugel Eis - pro Tag -  rechnen darauf aufmerksame Portale wie die Salonkolumnisten im Internet vor.

Das Unternehmen Unilever, das die Marke Ben & Jerrys vertreibt, betont, dass die nachgewiesenen Glyphosatspuren deutlich unter allen Grenzwerten lägen, die in den USA und Europa gälten. "Unsere Produkte sind sicher und können bedenkenlos verzehrt werden", heißt es bei Unilever.

EU-Behörden hatten Originaldaten

Streit um Studien
Portier hatte sich im Mai 2017 in einem Offenen Brief an den Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker gewandt. Darin behauptete er, dass Tumorbefunde in Tierstudien angeblich bei der europäischen Risikobewertung nicht berücksichtigt worden seien. Dies wurde durch die Efsa mit ausdrücklichem Bezug auf die Originaldaten in den entsprechenden Studien mittlerweile widerlegt.
Auch bei einer weiteren Veranstaltung war in dieser Woche in Brüssel Glyphosat ein Thema. Abgeordnete äußerten am Mittwoch bei einer Anhörung im EU-Parlament Zweifel am Urteil der zuständigen EU-Behörden. Professor Christopher J. Portier von der Universität Maastricht bekam noch einmal die Gelegenheit, seine Angriffe gegenüber den EU-Behörden Efsa und Echa zu wiederholen. Sie hätten Daten der Industrie ungeprüft übernommen, nur das deutsche BfR hätte die Originaldaten bewertet, die EU-Behörden hätten sich nicht mit allen einschlägigen Forschungsergebnissen befasst, so die Vorwürfe. 


Da erneut angegriffen, nimmt das BfR erneut Stellung. Es wiederholt seine Einschätzung, dass Glyphosat nicht als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ einzustufen ist. "Sämtliche Bewertungsbehörden europa- und weltweit, denen die Originaldaten der Antragsteller vorlagen, kommen nach eigener Bewertung mittels etablierter international anerkannter toxikologischer Standardverfahren zu diesem Schluss, so das BfR. „Angesichts dieser einheitlichen Bewertung der Fachbehörden weltweit liegt eine wissenschaftlich fundierte Basis für die Entscheidung über die Wiedergenehmigung von Glyphosat durch die Politik vor“, sagt BfR-Präsident Professor Andreas Hensel. Efsa und Echa hätten klargestellt, dass sie und ihre unabhängigen Expertengremien zusätzlich zur BfR-Bewertung und den Kommentierungen der Mitgliedsstaaten auch die Originaldaten zur Verfügung hatten.


Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) bestätigte in der gestrigen Anhörung erneut, dass das BfR keineswegs, wie im Falle von Glyphosat von vereinzelten Kreisen behauptet, die Sicht der Antragsteller und deren Interpretation entsprechender Studien unkritisch und ungeprüft übernommen habe. (kbo)
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