Im Nachgang des Berliner Nachhaltigkeitsforums der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) wird darüber gestritten, ob Ökoanbau als Kriterium der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie erhalten bleiben muss.

Die FDP zieht in die letzte Runde des Bundestagswahlkampfes und setzt sich für die Streichung des 20-Prozent-Ziels beim Ökolandbau ein. Der ökologische Landbau sei nicht per se an jedem Standort nachhaltig. Die Beurteilung, ob Landwirtschaft nachhaltig sei, müsse sich an den Umweltbelastungen pro Produktionseinheit orientieren, nicht an der bewirtschafteten Fläche, lautet die Begründung der agrarpolitischen Sprecherin der FDP,  Christel Happach-Kasan.

DBV und FDP wollen andere Kriterien

In das gleiche Horn stieß auch der Deutsche Bauernverband. Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär beim DBV, argumentierte in Berlin: „Nachhaltigkeit müsse danach beurteilt werden, inwieweit landwirtschaftliche Betriebe heute ökonomisch existenzfähig, ökologisch verträglich und sozial verantwortlich wirtschaften“, heißt es.

Er führte den Begriff „Öko-Effizienz“ ein und erläuterte ihn am Beispiel des Stickstoffeinsatzes in der Landwirtschaft. Im Zeitraum von 1980 bis 2010 konnte die Stickstoffdüngung um fast 50 Prozent gesenkt und gleichzeitig die Getreideerträge um fast 50 Prozent erhöht werden, trug er vor. Auch in der Tierhaltung seien die Emissionen von Ammoniak und Methan erheblich verringert worden, obwohl die Milch- und Fleischerzeugung ausgebaut worden sei. „Diese verbesserte Öko-Effizienz zeigt die nachhaltige Entwicklung in der deutschen Landwirtschaft“, hob Hemmerling hervor.

BÖLW sieht die Diskussion als Irreführung

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) empfindet eine solche Definition als „Irreführung“. „Der Ökolandbau ist zum Indikator für Nachhaltigkeit bestimmt worden, weil eine zunehmende Zahl wissenschaftlicher Studien belegt, dass in Bezug auf Ressourcenverbrauch, Beitrag zum Klimawandel oder Entwicklung der ökologischen Vielfalt der Ökolandbau das erfolgreichere Produktionssystem ist. Das reicht bis hin zur höheren Durchlässigkeit ökologisch bewirtschafteter Böden, wodurch ein Beitrag zum Hochwasserschutz geleistet wird“, entgegnet Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW.

Ökolandbau sei ein detailgenau definiertes, europarechtlich abgesichertes System, dessen Umsetzung staatlich kontrolliert werde. An der konkreten politischen Zielsetzung, 20 Prozent Ökolandbau müsse spätestens im Jahr 2020 erreicht sein, sollte nicht gerüttelt werden. (hed)
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