Milchmarkt-Krise

Strukturwandel fordert Opfer


Die Situation auf dem Milchmarkt spitzt sich weiter zu und der Preisdruck ist enorm. Dennoch ist der freie Markt der „Königsweg“ aus der Krise. Zu diesem Fazit gelangt Prof. Reiner Doluschitz, Agrarökonom an der Universität Hohenheim, im Vorfeld der Agrarministerkonferenz (AMK), die am Mittwoch in Fulda beginnt. Auf der Konferenz der Länderressortchefs ist Thema, welche Wege zur Lösung der Milchmarkt-Krise offenstehen.

Schmerzhafter Prozess

„Wir haben noch einen dramatischen Strukturwandel vor uns“, sagt Doluschitz, doch die Landwirte müssten lernen, „sich als Unternehmer zu verstehen.“ Zwar würden „nicht alle Betriebe diesen schmerzhaften Prozess der Marktbereinigung überleben“, so Doluschitz weiter. Doch diejenigen, die übrigbleiben, sollten danach „wieder ein vernünftiges Einkommen erzielen“.

Der aktuelle Preisverfall am Milchmarkt ist darauf zurückzuführen, dass die Landwirte seit Wegfall der Quote im März mehr Milch angeliefert haben, der Absatz im Inland jedoch stagniert. Hinzu kommt, dass durch das Importembargo für westliche Agrarprodukte in Russland ein wichtiger Absatzmarkt für EU-Milchprodukte fehlt.

Interventionskäufe bringen mehr Schaden als Nutzen

Politische Unterstützung sei für die Milchwirtschaft zwar erforderlich. Die aktuell diskutierten Lösungsvorschläge hält Doluschitz allerdings für wenig zielführend. So würden Interventionskäufe das Problem nicht lösen: „Die Ware ist nur vorübergehend vom Markt genommen. Es wird ein künstlicher Markt geschaffen, der den Wandlungsprozess nur verzögert“, so der Hohenheimer Marktexperte.

Auch Exportsubventionen scheiden aus, da sie nicht mit einer Liberalisierung der Märkte vereinbar wären. Stattdessen könnte die Politik Image-Kampagnen starten oder bei der Suche nach neuen Absatzmöglichkeiten Hilfestellungen leisten. Doluschitz sieht Potenzial in fernöstlichen Märkten: Die Nachfrage beispielsweise in China nehme ständig zu, im Land selber habe Milcherzeugung jedoch keine Tradition.

Quote hält marktferne Strukturen künstlich am Leben

Von einer Wiedereinführung einer Mengenregulierung per Quote rät der Hohenheimer Agrarökonom außerdem ab: „Das Instrument der Quotenregelung hat versagt, stabile Preise gab es dadurch auch nie. Stattdessen wurden nicht mehr marktgerechte Strukturen künstlich aufrechterhalten, so dass der Wandel nun umso schwieriger ist.“ (pio)
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