Tageskommentar Rohstoffe: Agrarmärkte beruhigen sich wieder


An den Terminmärkten haben sich die hektischen Aktivitäten wieder beruhigt. Die Chicagoer Weizennotierungen profitierten allerdings von Shortabdeckungen und zogen weiter an. Auch an der Matif konnten sich die Notizgewinne für Weizen fortsetzen. Die Maiskurse schlossen dagegen nur gut behauptet. Der Sojakomplex stand noch unter dem Einfluss des ‚hot and dry‘ Szenarios. Die Sojabohnen zogen weiter an. Raps schloss nur mit minimalen Kursgewinnen. Rohöl musste dagegen kräftig Federn lassen. Die schwächeren vorbörslichen Vorgaben aus Chicago deuten für heute eine Konsolidierung an, denn im mittleren Westen der USA soll es zwar trocken bleiben, aber etwas kühler werden.
 
Weizen: In Chicago knüpften die Weizennotierungen mit Kursgewinnen von über 5 US-$/t an ihre festen Vortage an. Mutmaßungen und Spekulationen über eine weitere Reduzierung der globalen Weizenbestände in der kommenden USDA-Schätzung lösten weitere Shortabdeckungen aus. In Teilen Russlands, Kasachstan der Ukraine sind zudem Regenfälle gemeldet, die allerdings für einen Großteil der Wintergetreideflächen zu spät kommen dürften.
 
An der Matif legten die Weizenkurse mithilfe der Chicagoer Vorgaben bis zu 2,50 €/t zu. In den vergangenen drei Tagen haben sich die Kurse um 9 €/t nach oben geschoben. Auch ein Exportgeschäft von 600.000 t französischen Weizens nach Algerien dürfte sich positiv auf die Pariser Notierungen ausgewirkt haben. Durch die kleinere russische Weizenernte erwartet man in Frankreich bessere Aussichten für die eigenen Weizenexporte im neuen Wirtschaftsjahr. Es wird vermutet, dass Frankreich damit auch wieder mehr Chancen für Lieferungen nach Ägypten hat.  

Indien hat die Möglichkeit angedeutet, bis zu 3 Mio. t Weizen an den Iran im Zuge eines Bartergeschäftes gegen Rohölbezüge zu liefern. Indien muss aufgrund einer großen Weizenernte Platz in seinen Getreideläger schaffen und ist einer der wichtigsten Abnehmer für iranisches Rohöl.
 
Mais: Die Rallye der Chicagoer Maisnotierungen hat sich erst einmal beruhigt. Gewinnmitnahmen bremsen einen weiteren Anstieg aus und die Kurse konnten sich nur gut behaupten. Die Wetteraussichten für die kommenden 14 Tage verheißen zwar weiterhin trockene Bedingungen oder allenfalls geringe Niederschlagsmengen, doch es soll wieder kühler im Mittleren Westen werden. Regional waren die Temperaturen in den vergangenen Tagen bis auf 38 °C hochgeschnellt. Auch in Nordchina deuten sich ab der kommenden Woche nach Wettermodellen Regenfälle an.
An der Matif schlossen die Maiskurse mit einem leichten Plus ebenfalls behauptet.
 
Sojakomplex: Das ‚hot and dry‘-Szenario konnte sich beim Sojakomplex noch am ehesten halten, zumal es im mittleren Westen der USA in den kommenden Tagen weit gehend trocken bleiben soll. Die Sojabohnennotierungen zogen noch einmal etwas an. Heute Morgen zeigen die Kurse aber wieder rote Vorzeichen und deuten eine Konsolidierung an. Für Sojaschrot wurden die Kurse nur leicht angehoben. Marktanalysten gehen davon aus, dass etwa ein Viertel der geplanten späten Sojabohnenaussaat nach Weizen dem trockenen Wetter zum Opfer fallen wird. Ursprünglich war man von einer Aussaatfläche von etwa 2 Mio. t acres (810.000 ha) für die sogenannten Double Crop-Sojabohnen ausgegangen.
In Brasilien behindern Regenfälle die Verladungen von Sojabohnen.
 
Raps: Die Rapsfuture an der Matif bewegten sich nur wenig. Die Märkte haben sich wieder beruhigt. Die Notierungen zogen nur leicht an, das Handelsvolumen an der Börse fiel wieder auf ein normales Niveau zurück. Im Zuge der vorangegangenen Rallye haben sich die offenen Positionen jedoch signifikant um 6.600 Kontrakte erhöht. Damit dürfte sich die Vermutung bestätigen, dass die Fonds am Dienstag verstärkt in die Futures eingestiegen sind. Die sehr schwachen Rohölnotierungen schlugen sich in den Rapsnotierungen nicht fühlbar wieder, begrenzen aber ein mögliches Potenzial nach oben.
Auch in Winnipeg blieben die Notizgewinne für Canola-Raps mit Ausnahme des Frontmonats überschaubar.
 
Rohöl: Rohöl bleibt bei schwachen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der ungelöste europäischen Schuldenkrise und bei einem überversorgten Ölmarkt unter Druck. Brent Crude Öl gab mehr als 3 US-$/Barrel nach und auch WTI-Öl schloss schwach. In den USA stiegen die wöchentlichen-Lagerbestände um 2,9 Mio. Barrel an und liegen auf dem höchsten Stand seit Juli 1990. Die Atomgespräche mit dem Iran wurden vertagt, doch anscheinend misst man dem Atomstreit derzeit kein neues Risikopotenzial mehr bei. (St)
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