Tageskommentar Rohstoffe: Agrarnotierungen erholen sich wieder schnell

Die neuerlichen Turbulenzen an den Finanzmärkten und zwischenzeitlich schwachen Rohölnotierungen haben die Terminbörsen für Agrarprodukte und Commodities kaum noch tangiert. Sowohl in Chicago als auch in Paris konnten die Notierungen für Weizen und Mais ihre Vortagsverluste mehr als kompensieren. Auch der Sojakomplex um die Rapskurse legten wieder etwas zu. Rohöl schloss durchwachsen. Brent Crude Öl setzte sich mit Kursgewinnen weiter von den WTI-Rohölnotierungen ab.

Weizen: An der Matif schlossen die Weizenkurse bis 4,25 €/t im Plus. Der Novemberkontrakt schaffte wieder den Sprung über die Marke von 200 €/t. Positive Impulse kamen vor allem von deutlicheren Kursgewinnen in Chicago. Dort schoben sich die Weizenkurse 8,50 US-$/t nach oben. Ein schwächerer US-Dollarkurs, die Gegenreaktion auf die Vortagsverluste und Shortabdeckungen gaben Unterstützung. An der Getreidebörse in Minneapolis waren die Kursgewinne für Sommerweizen mit einem Plus von fast 22 US-$/t noch deutlicher. Man rechnet unverändert mit einer Herabstufung der US-Sommerweizenflächen.
 
Am Mittwoch wird sich der Fokus des Marktes auf die Schätzung der kanadischen Weizenernte richten. Der Markt geht von einer kanadischen Weizenernte von 23,5 Mio. t und etwas mehr als im Vorjahr aus. Rumänien erwartet offiziell einer Weizenernte von 7,2 Mio. t. Dies sind 1,5 Mio. t mehr als im Vorjahr. Für die Ukraine geht man zurzeit von einem Exportpotenzial von 9,7 Mio. t Weichweizen und damit 5,7 Mio. t mehr als im Vorjahr aus. Laut offiziellen Einschätzungen bringt die ukrainische Weizenernte zu 70 Prozent Mühlenqualität. Vor kurzem war die Ukraine noch von einem niedrigeren Wert ausgegangen. Russland könnte in diesem Jahr Weizenexporte in Höhe von rund 20 Mio. t tätigen, so Einschätzungen von Händlern. Im Vorjahr hatte Russland durch die Trockenheit nur 3,4 Mio. t Weizen exportiert.

Mais: Die Maiskurse in Chicago profitierten von den freundlicheren Commodities und machten ihre Kursgewinne vom Vortag wieder komplett wett. Die Ertragserwartungen an die heranwachsende Maisernte sind nach den jüngsten Einschätzung der Analysten verhalten, vor allem in Iowa und Illinois rechnet man mit niedrigen Maiserträgen. Andererseits präsentierten sich die Maisbestände auf einer privaten Erntebereisung nicht so schlecht, wie befürchtet wurde.
An der Matif konnten sich die die Maiskurse mit einem Plus bis zu 2 €/t etwas erholen.

Sojakomplex: Der Sojakomplex schloss sich mit kleinen Kursgewinnen der freundlicheren Tendenz der Commodities an. Aktive Käufe der Fonds und spekulativen Anleger begünstigten den Kursanstieg. Auch kurzfristige Wettermeinungen wirken positiv. Es gab Einschätzungen, dass es in einigen Teilen des Mittleren Westens trotz der leichten Regenfälle zu trocken sein könnte.
 
Raps: An der Matif konnte Raps zwar mit Kursgewinnen um die 2 €/t schließen, doch der Anstieg fiel schwer. Zwischenzeitlich belasteten schwächere Rohölnotierungen die Rapsfutures, die bis zu 6 €/t nach unten fielen. Erst mit anziehenden Rohöl- und Sojabohnenkursen drehten sich Raps in den grünen Bereich.
In Winnipeg behaupteten sich die Canola-Notierungen mit leichten Kursgewinnen.

Rohöl: Die Rohölnotierungen schlossen durchwachsen. Für WTI-Rohöl sah es zwischenzeitlich nach einem weiteren Einbruch aus. In einer wechselhaften Sitzung mit Plus und Minus gab es zum Tagesschluss nur ein leichtes Minus für WTI. Brent Crude Öl setzte sich mit Kursgewinnen von 1,60 US-$/Barrel ab. Eine gestiegene Risikofreude nach der leichten Stabilisierung an den Aktienmärkten soll Unterstützung für Brent Crude Öl gebracht haben. Die Commerzbank hält die Brent-Preise fundamental für nicht gerechtfertigt und erwartet rückläufige Notierungen. Die Rekord-Preisdifferenz von 26 US-$/Barrel von Brent- zum WTI-Rohöl dürfte sich kaum halten lassen, zumal sich in Libyen ein Ende des Bürgerkriegs abzeichnet. (St)
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