Tageskommentar Rohstoffe: Börsen schließen nach Gewinnmitnahmen schwächer


Die Terminmärkte gönnten sich erneut einen Konsolidierungstag. In Chicago gaben die Notierungen für Weizen, Mais und Sojabohnen nach Gewinnmitnahmen und Kontraktumschichtungen gleichermaßen nach. An der Matif schlossen Weizen und Raps ebenfalls schwächer. Die europäische Rapsernte scheint weitaus besser zu sein, als gedacht. Deutsche Gerste ist international gefragt. Die Rohölkurse gaben nach. Heute Morgen deuten die Vorgaben aus Chicago wieder freundlichere Tendenzen an.
 
Weizen: Kontraktumschichtungen und vor allem die schwächeren Maisnotierungen schicken die Weizennotierungen in Chicago 8 US-$/t nach unten. An der Matif stand bei Börsenschluss ein Minus bis zu 3 €/t hinter den Weizenkursen.
  
Toepfer International geht in seinem neuen Monatsbericht von einer deutschen Getreideernte von gut 45 Mio. t und einer Weizenernte von 22,9 Mio. t aus. Die europäische Weichweizenernte taxiert das Hamburger Handelshaus auf 125,3 Mio. t. Dies wären 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr.
Der IGC hat in seinem neuen Monatsreport die globale Weizenproduktion um 3 Mio. t nach unten korrigiert. An Endbeständen erwarten die Analysten in dieser Kampagne 180 Mio. t. Aus dieser Schätzung lässt sich ebenso wie aus den USDA-Zahlen kein Versorgungsengpass herauslesen, denn die Endbestände würden den globalen Weizenbedarf von knapp 97 Tagen abdecken.
Aus Russland kursierten am Vortag drei unterschiedliche Zahlen am Markt. Die offizielle russische Schätzung für die eigene Weizenernte lag bei 45 Mio. t, SovEcon präzisierte seine Schätzung auf 39 Mio. t und der IGC erwartet eine russische Weizenernte von 41 Mio. t. Die offizielle Schätzung Russlands gilt als zu optimistisch.

Die EU hat in der laufenden Woche 119.000 t neue Exportlizenzen für Weichweizen erteilt, an denen Deutschland mit 28.000 t beteiligt war.
 
Mais/Gerste: Gewinnmitnahmen drückten die Maiskurse in Chicago ebenfalls um die 8 US-$/t ins Minus. Bei der Erntebereisung wurden in Iowa etwas bessere Maiserträge geschätzt, als erwartet. Es zeichnen sich sehr differenzierte Erträge ab und es gibt noch kein genaues Bild.
Der IGC hat die globale Maisernte um 26 Mio. t auf 838 Mio. t nach unten korrigiert. Damit haben sich die Londoner Analysten noch 11 Mio. t unter die USDA-Schätzung gelegt. Die kleinere Maisernte werde erstmals seit 1993/94 zu einer erheblichen Einschränkung beim Verbrauch führen. Die weltweite Maisbilanz bleibt auch laut IGC knapp, denn die Endbestände von 120 Mio. t reichen nach der Schätzung nur für 51 Tage.
An der Matif gaben die Maisnotierungen mit schwachen Vorgaben aus Chicago und vom Weizen bis zu 3,75 €/t nach.

Die internationale Nachfrage nach europäischer und deutscher Gerste ist lebhaft. Die EU-Kommission hat in der  laufenden Woche 122.000 t neue Exportlizenzen für Gerste erteilt. Damit haben sich die europäischen Gerstenexporte in dieser Kampagne auf rund 1,2 Mio. t summiert. Bisher wurden allein in Deutschland 342.000 t Exportlizenzen für Gerste gezogen.
 
Sojakomplex: Die Sojabohnenkurse standen nach Gewinnmitnahmen und Kontraktumschichtungen unter Druck und gaben nach. Bei der Erntebereisung im Mittleren Westen werden weiterhin wenig Schoten an den Pflanzen gezählt. Die wöchentlichen US-Exportzahlen von knapp 719.000 t Sojabohnen lassen eine unvermindert hohe Nachfrage erkennen. Vor allem China bleibt mit stetigen Käufen am Markt und hält die Preise hoch.
Bei Sojaschrot haben sich die Notierungen nach zwei schwachen Börsentagen um mehr als 17 US-$/t abgeschwächt. Gleichzeitig hatte der Euro etwas Boden gutgemacht, so dass sich Sojaschrot an den europäischen Märkten kurzfristig etwas günstiger beschaffen lassen sollte.
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Raps: Bei Raps sieht die europäische Versorgung bei weitem nicht mehr so dramatisch aus, wie noch vor einigen Wochen. Toepfer International geht in seinem neuen Bericht von einer deutschen Rapsernte von 5,2 Mio. t aus. Die Erträge hätten sich trotz der Auswinterung überdurchschnittlich entwickelt, schreibt das Hamburger Handelshaus. Auch für die europäische Rapsernte bleibt Toepfer optimistisch. Gegenüber dem Vormonat hat es die EU-Rapsernte um 850.000 t auf 19,65 Mio. t angehoben.
An der Matif gaben die Rapskurse mit schwächeren Sojabohnenkursen bis 3 €/t nach. Auch in Winnipeg mussten Canola Notizverluste einstecken, die wesentlich größer als an in Paris ausfielen.
 
Rohöl: Aussagen der deutschen Bundeskanzlerin Merkel über die Strategie gegenüber Griechenland drückten den spekulativen Rohöl-Anlegern auf die Stimmung. Beim Treffen mit dem französischen Staatspräsident Hollande bekräftigte Merkel ihre ablehnende Haltung zu finanziellen Erleichterungen für Griechenland. Die Rohölnotierungen gaben daraufhin nach, für WTI-Rohöl sogar knapp 1 US-$/Barrel. (St) 
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