Tageskommentar Rohstoffe: Börsen vor USDA-Report in der Defensive


Vor dem heutigen USDA-Report zeigten sich die Terminmärkte von der defensiven Seite. Gewinnmitnahmen ließen die Chicagoer Mais- und Sojanotierungen schwächer schließen. Auch die Weizennotierungen gaben in Chicago nach. An der Matif konnte sich Weizen knapp behaupten, Mais notierte sogar im grünen Bereich. Raps gab an der Matif etwas nach und passte sich den schwachen Sojabohnenkursen und zurückgenommen Rohölnotierungen an. Der Markt geht davon aus, dass der heutige USDA-Report die globale Weizenbilanz durch die schwachen Ernten am Schwarzen Meer enger als im Vormonat ausweist sowie für die US-amerikanische Maisernte und -bilanz eine scharfe Abwärtskorrektur vornimmt. Nach dem rasanten Kursanstieg der vorangegangenen Tage dürften die Auswirkungen Wettermärkte zwar schon zu einem großen Teil eingepreist sein, doch die neue Ernteschätzung könnte zusätzliche Impulse, aber durchaus auch überraschende Börsenreaktion auslösen.
 
Weizen: An der Matif ließen sich die Weizennotierungen zeitweise von den schwachen Chicagoer Vorgaben beeindrucken und fielen für November über 5 €/t ins Minus. Zum Börsenschluss konnten sie sich noch gut erholen und notierten noch knapp behauptet. Die Ertragsaussichten für die Weizenernten bei den großen Produzenten Frankreich, Deutschland und Großbritannien werden durchweg gut beurteilt, doch das Wetter muss mitspielen. Aufgrund der trüben Wetteraussichten für die kommenden Tage mehren sich die Sorgen um die Weizenqualitäten. Im Südwesten Frankreichs ist die Weizenernte auf den frühen Standorten durch Regen unterbrochen. In Italien ist die Weizenernte weitgehend abgeschlossen.
In Chicago schlossen die Weizenkurse nicht so schwach, wie sie zwischenzeitlich notierten. Konsolidierung vor dem USDA-Report war bei defensivem Börsenhandel angesagt.
China hat nach seinen statistischen Erhebungen eine Rekord-Winterweizenernte von 114,3 Mio. t eingefahren und das Vorjahresergebnis um 3 Prozent übertroffen.
 
Mais: Gewinnmitnahmen vor dem heutigen Report und nach dem kräftigen Kursanstieg des Vortags ließen die Maisnotierungen in Chicago schwächer schließen. Die durchschnittlichen Einschätzungen der Analysten gehen davon aus, dass die US-Endbestände heute um über 15 Mio. t auf 32,5 Mio. t für die kommende Saison zurückgenommen werden. Ihre Ertragsprognosen bewegen sich im Schnitt um die 150 Bushel/acre. Bei den globalen Mais-Endbeständen rechnet man mit einer Korrektur von etwa 10 Mio. t gegenüber dem vorangegangenen Monatsreport. Das Wetter in mittleren Westen hat sich etwas abgekühlt, bei Temperaturen um die 30 °C bleibt es aber sehr warm.
An der Matif ließen sich die Maisnotierungen vom schwachen Umfeld wenig beeindrucken und verbuchten sogar ein leichtes Plus.
 
Sojakomplex: Auch beim Sojakomplex sorgen Gewinnmitnahmen für rückläufige Notierungen. Im Mittelwesten sind vorerst noch keine Niederschläge in Aussicht. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass sich der Zustand der Sojabohnenpflanzen bei entsprechenden Niederschlägen noch verbessern könnte. Die Bohne habe großes Potenzial, sich von ungünstigen Wachstumsbedingungen im frühen Stadium zu erholen, so die Einschätzungen. Dadurch halten manche Analysten auch eine konservative Ertragsprognose für die US-Ernte im heutigen USDA-Report für möglich. Durch die zuletzt höher ausgewiesene US-Sojabohnenanbaufläche erwartet der Markt sogar  eine leichte Anhebung der US-Endbestände für die kommende Saison.
 
Raps: Bei schwachen Vorgaben von Sojabohnen und Rohöl schwanken die Rapskurse an der Matif im Tagesverlauf, gaben aber bei Börsenschluss nach. Der August notierte mit einem Minus von 4,25 €/t deutlichen abschlagen. Die Aktivitäten an der Matif sind weiterhin äußerst rege. Die europäische Rapsernte scheint nicht ganz so schlecht auszufallen, wie zuletzt vermutet. Für Deutschland und Polen sieht es besser aus, und nun hat auch Frankreich seine Prognose für die Rapsernte auf 5,1 Mio. t und etwas nach oben korrigiert. Dies würde die enge europäische Rapsbilanz etwas abmildern. Es wird allerdings jedes zusätzliche Pfund Raps dringend benötigt.
In Winnipeg zogen die Rapsnotierungen überschaubar an und scherten sich wenig um die Sojabohnen.
 
Rohöl: Die norwegische Regierung hat den Streik auf den Ölplattformen per Zwangsschlichtung beendet und den Brent Crude Ölnotierungen die Basis für Kursanstiege wieder entzogen. In China sind die Rohölimporte im Juni erneut zurückgegangen und auf den niedrigsten Stand dieses Jahres gefallen. In Verbindung mit einem festen US-Dollarkurs gaben die Rohölnotierungen daraufhin etwa 2 US-$/Barrel nach. (St)
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