Tageskommentar Rohstoffe: Chicago notiert Weizen und Mais deutlich schwächer

Der Report des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums USDA hat bei den Weizen- und Maisnotierungen in Chicago zu deutlichen Notizverlusten geführt. Mais schloss sogar mit den höchstmöglichen täglichen Verlusten im Limit down. Verschärft wurde die schwache Stimmung durch gedrückte Rohölpreise, einen festen US-Dollarkurs und ein schwaches Umfeld der Commodities. In Paris hielten sich die Verluste für Weizen in überschaubarem Rahmen. Der Sojakomplex notierte geringfügig schwächer. Die Rapspreise standen unter Druck, konnten sich aber zum Börsenschluss etwas fangen.
 
Weizen: Die positive Einschätzung der globalen Weizenproduktion des USDA für die kommende Saison löste starken Druck auf die Chicagoer Weizennotierungen aus. Die Kurse gaben bis zu 15 US-$/t nach. Das USDA erwartet im neuen Bericht eine Steigerung der globalen Weizenernte um mehr als 21 Mio. t. Trotz der Produktionssteigerung werden sich die weltweiten Weizenbestände durch eine höhere Nachfrage aber kaum verändern, schätzt das USDA. Für die USA wurden die Ernteaussichten für Weizen um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgenommen.
 
Die Einschätzung des USDA über einen Zuwachs der europäischen Weizenernte von 2 Prozent  löste angesichts der extremen Trockenheit in Europa allerdings ungläubiges Erstaunen und Kopfschütteln aus. Dennoch gerieten die Weizenkurse an der Matif kurzzeitig stärker unter Druck und fielen bis zu 7,50 €/t. Zum Börsenschluss reduzierten sich die Notizverluste allerdings nur noch auf 1,75 €/t für den November.
 
Mais: Die USDA-Zahlen setzen auch die Chicagoer Maisnotierungen erheblich unter Druck. Mit einem Minus von knapp 12 US-$/t brachen die Kurse für die nahen Termine bis zum höchstmöglichen Preislimit ein. Der Frontmonat Mai, für den es kein Tageslimit gibt, schloss sogar noch schwächer. Das USDA hatte die US-Maisbestände zum Ende der Saison um 1,4 Mio. t auf 18,5 Mio. t nach oben korrigiert. Im Markt hatte man dagegen mit einer Rücknahme der Endbestände gerechnet. Nach der neuen Schätzung stellt sich die Maisversorgung der USA nicht mehr ganz so dramatisch dar, wie nach der bullischen Quartalsschätzung Ende März befürchtet worden war. Die Bestände bleiben allerdings auf den niedrigsten Level seit 15 Jahren. Die enge US-Maisbilanz wird sich nach der Prognose des USDA auch in der kommenden Saison trotz einer Rekordanbaufläche und einer möglichen Rekord-Maisernte nicht wesentlich verbessern.
In Paris hielten sich die Notizverluste für Mais mit einem Minus von bis zu 3 €/t in Grenzen.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex ließ sich von den USDA-Zahlen nur kurzzeitig beeindrucken. In der neuen Schätzung wurden die US-Sojabohnenendbestände um 500.000 t auf 4,6 Mio. t nach oben korrigiert. Auch die globale Sojabilanz wird sich durch die brasilianische Rekord-Sojabohnenernte von 73 Mio. t und eine überdurchschnittliche Ernte in Argentinien verbessern. Die Schätzung für Argentinien blieb mit 49,5 Mio. t unverändert. Die globale Bilanz für diese Kampagne lässt bei dem Verhältnis von Endbeständen zum Verbrauch von 25 Prozent keine Versorgungsprobleme erkennen. Die verhaltenere Nachfrage Chinas nach Sojabohnen wird im Report mit einer Rückstufung der chinesischen Sojabohnen-Importe auf 54,5 Mio. t berücksichtigt. Für die neue Kampagne erwartet das USDA zu diesem frühen Zeitpunkt für die USA eine ähnliche Bilanz wie in der laufenden Saison.
 
Raps: Die Rapsnotierungen an der Matif standen während der gesamten Börsensitzung unter Druck. Nachdem die Preise an den vorangegangenen vier Handelstagen etwa 30 €/t zugelegt hatten, belasteten Gewinnmitnahmen die Kurse. Trotz des deutlich schwächeren Rohöls hielten sich die Kursverluste für Raps zum Tagesende mit 2,75 €/t in überschaubarem Rahmen.
In Winnipeg gaben die Canola-Notierungen unter dem Einfluss der zwischenzeitlich schwachen Sojakurse über 8 Can $/t für den Juli nach. In der kommenden Woche sollen sich die Aussaatbedingungen für den Canola-Raps wieder etwas verbessern.
 
Rohöl: Die Erholungsphase der Rohölnotierungen kamen am Vortag mit deutlichen Verlusten von über 5 US-$/Barrel ins Stocken. Ein fester US-Dollarkurs, gedrückte Aktienmärkte, schwächere Commodities und vor allem der Anstieg der Rohöl-Lagerbestände in den USA sollen die Schwäche ausgelöst haben. In den USA sind die Bestände in der Vorwoche um 3,8 Mio. Barrel angestiegen. Es sieht fast so aus, als würde sich der Markt wieder sensibilisieren, denn bei der Rallye in den Vormonaten wurden die US-Lagerbestände weitestgehend ignoriert. (St)
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