Tageskommentar Rohstoffe: EU-Weizenexporte laufen trotz festem Euro

Die Weizennotierungen standen erneut unter Druck und gaben sowohl in Chicago als auch Paris leicht nach. Die lebhaften Weizenexporte aus der EU halten an. Mais notierte schwächer. Sojabohnen schlossen sich der schwachen Tendenz an und beendeten die Sitzung im roten Bereich. Raps setzte mit Kursgewinnen auf allen Terminen einen Kontrapunkt. Rohöl notierte uneinheitlich. Am heutigen Handelstag lassen sich vor dem USDA-Report am Abend kaum größere Aktivitäten an den Terminmärkten erwarten.
 
Weizen: An der Matif bleibt der Weizen unter Druck und schloss bei schwachen Vorgaben aus Chicago mit einem leichten Minus. Die Stimmung ist lustlos und die reichlichen Maisimporte in die EU zeigen Wirkung. Trotz des festeren Euros laufen die Weizenexporte aus der EU auf hohem Niveau. In dieser Woche wurden 409.000 t neue Exportlizenzen für Weichweizen gezogen. Damit haben sich der europäischen Exporte in dieser Saison auf knapp 11,7 Mio. t summiert. Auch auf der Einfuhrseite bewegte sich ebenfalls etwas. Es wurden neue Importlizenzen über 175.000 t erteilt. Berichten zufolge hat Großbritannien erstmals seit etwa 20 Jahren Weizen in den USA gekauft. Dabei soll es sich um eine Tonnage von 25.000 t Soft-Red-Winterweizen handeln.
 
In Chicago drückten schwache Exportzahlen und ein fester US-Dollarkurs auf die Notierungen. Die Kurse gaben nach. Die wöchentlichen US-Exportzahlen von 290.800 t Weizen waren kaum dazu angetan, große Exporthoffnungen zu schüren. Im südlichen US-Weizengürtel soll es in den kommenden zehn Tagen etwas Regen geben. Allerdings hat es in sechs Monaten zuvor dort kaum geregnet.
Russland hat angedeutet, dass es möglicherweise erstmals seit 20 Jahren wieder Getreide importieren muss. Eine Reaktion der Terminmärkte auf diese Meldung Morgen gegenüber blieb allerdings aus.
 
Mais: Weitere Positionierungen vor dem USDA-Import und Liquidationen drücken die Maisnotierungen in Chicago deutlicher in den roten Bereich. Die wöchentlichen US-Exportzahlen von nur 160.400 t fielen wie erwartet schwach aus. Ein festerer US-Dollarkurs drückte zusätzlich auf die Kurse.  
In Brasilien hat die Conab, der Pendant des USDA, die Aussichten für die brasilianische Maisernte um 3,8 Mio. t auf 76 Mio. t nach oben korrigiert. Man darf gespannt sein, welche Zahlen das USDA heute Abend liefern wird.
 
An der Matif hält die Schwäche bei Mais an. Die Kurse gaben für März 1,75 €/t nach und fielen unter 230 €/t. Die stetigen Maisimporte in die EU belasten die Notierungen. In dieser Woche wurden neue Importlizenzen über 193.000 t Mais gezogen. Damit haben die Importe der EU bereits knapp 6,8 Mio. t erreicht. Im Vorjahr lagen sie zu diesem Zeitpunkt gerade einmal bei 3Mio. t.
 
Sojakomplex: Auch bei Sojabohnen kam es vor den heutigen USDA Zahlen zu weiteren Positionsbereinigungen. Gleichzeitig haben sich die offenen Positionen signifikant erhöht - es wird gezockt. Während die Bohne schwächer schloss, konnten sich die Sojaschrotnotierungen im grünen Bereich halten. Sie profitierten vom Spread-Handel gegen schwaches Rohöl. Die Sojaölnotierungen sind sowohl an den Terminmärkten als auch an den Kassamärkten deutlich gefallen. Die wöchentlichen US-Exportzahlen für Sojabohnen waren mit 1,67 Mio. t erneut beeindruckend.

Für Brasilien hat die Conab auch für Sojabohnen eine optimistische Schätzung abgegeben. Sie erwartet eine brasilianische Sojabohnenernte von 83,4 Mio. t. Im Markt rechnet man heute ebenfalls mit einer Aufwärtskorrektur der brasilianischen Sojabohnenernte seitens des USDA. Die Ladeverzögerungen im Brasilien halten aufgrund der Regenfälle in den nördlichen Erntegebieten an. Inzwischen sollen sich vor fünf brasilianischen Häfen bereits 135 Schiffe angesammelt haben, die auf ihre Verladungen mit Bohnen, Mais oder Schrot warten. Im Vorjahr waren zu diesem Zeitpunkt nur halb so viele Schiffe in den Stau involviert.
 
Raps: Die etwas freundlichere Tendenz für Raps scheint sich zu bestätigen. Der Einfluss der gedrückten Sojanotierungen hielt sich in Grenzen. Die Matif schloss mit einem Plus von 2 €/t für den Frontmonat Mai. Auch die Termine der neuen Ernte zogen an. In Winnipeg war die Stimmung richtig gut, der März notierte über 9 Can-$/t im Plus.
 
Rohöl: Rohöl schloss uneinheitlich. Während WTI wieder in den roten Bereich rutschte, legte Brent Crude Öl etwas zu. Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi, ein festerer Euro könne das europäische Wirtschaftswachstum bremsen, wurden an der New Yorker Nymex als Signal eine schwache Ölnachfrage in Europa gedeutet. Brent Crude Öl profitierte von einer geopolitischen Risikoprämie, denn der Iran verweigert sich Gesprächen mit den USA über sein Atomprogramm. Die Ölförderung im Iran ist im Januar auf 2,6 Mio. Barrel/Tag gesunken und auf den niedrigsten Stand seit Februar 1990 gefallen. (St)
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