Tageskommentar Rohstoffe: Erneuter Einbruch der Börsennotierungen

Die Notierungen an den Terminmärkten befinden sich in einer heftigen Berg- und Talfahrt. Die Volatilität hat sich erheblich verschärft. Erneut aufkommende Befürchtungen über eine restriktivere Geldpolitik und eine Zinsanhebung Chinas sowie mögliche chinesische Maßnahmen gegen den spekulativen Handel von Nahrungsmitteln lösten einen erneuten Einbruch an den Agrarbörsen aus. Die Weizenkurse in Chicago und an der Matif notierten deutlich schwächer, der Sojakomplex und Mais schrammten in Chicago nur knapp am Limit down vorbei. Auch die Rapskurse ließen kräftig Federn. Die Rohölnotierungen schlossen mit größeren Notizverlusten. Die vorbörslichen Vorgaben in Chicago deuten an, dass die Korrekturphase noch nicht vorbei ist.
 
Weizen: Mit einem Minus von über 17 US-$/t stürzten die Weizennotierungen in Chicago erneut ab. Auch in Kansas und Minneapolis brachen die Kurse ein. Nach größeren Verkäufen der Fonds fielen die Weizenkurse auf den niedrigsten Stand seit vier Monaten und unter die Stützungslinie. Der Absturz wurde durch Stop-Orders verschärft. Das Vertrauen der Fonds auf weiter steigende Agrarnotierungen scheint zu schwinden. Die offenen Positionen beim Chicago-Weizen wurden um über 14.000 Kontrakte abgebaut.
Auch an der Matif wurde Kapital aus den Weizenfutures abgezogen. Die offenen Positionen gingen am Wochenanfang um über 10.000 Kontrakte zurück. Die Kurse folgten den schwächeren Vorgaben aus Übersee und gaben gleich bei der Eröffnung scharf nach, um mit einem Minus von 8,75 €/t für den Januar zu schließen.
 
Mais: Bei Mais regierte Chicago äußerst nervös auf die Befürchtungen, dass China die Zinsen anheben könnte, um die inflationäre Tendenzen zu stoppen. In Verbindung mit einer breiten Schwäche an den Rohstoffmärkten touchierten die Notierungen teilweise das Limit down und schlossen mit einem Minus von über 11 US-$/t nur knapp unter den höchstmöglichen täglichen Kursverlusten. Von den Höchststand der Vorwoche sind die Chicagoer Maiskurse 87 US-$/t gefallen. Analysten mutmaßen, dass man nach der deutlicheren Korrektur die Höchststände in diesem Jahr kaum wieder sehen wird.  
An der Matif fielen die Kursverluste für Mais mit einem Minus von 5 €/t am Vortag noch vergleichsweise moderat aus.
 
Sojakomplex: Auch die Sojabohne war bei Verlusten von 24,50 US-$/t für die beiden vorderen Termine nicht allzu weit von einem Limit down weg. Die Sojaschrotnotierungen gaben etwa 20 US-$/t nach. Der Sojakomplex war der Führer an den schwachen Agrarmärkten, zumal Sojaöl im Limit down schloss. Befürchtungen, dass China scharfe Maßnahmen gegen Spekulationen bei Agrarrohstoffen und Preiskontrollen bei Nahrungsmittel einführen will, lösten über Gewinnmitnahmen der Fonds und die erneute Korrektur aus. Die offenen Positionen haben sich etwas reduziert.
 
Raps: An der Matif schlugen sich der schwache Sojakomplex und rückläufige Rohölnotierungen in einem Minus von 16,75 €/t für die Termine der alten Ernte nieder. Die neue Ernte fiel für August unter 400 €/t.  Auf dem hohen Niveau nimmt die Volatilität zu. Die Märkte sind deutlich nervöser geworden als noch vor ein paar Wochen. Bei aufkommender Unsicherheit über die weitere Preisentwicklung, werden Gewinne an der Börse mitgenommen.
In Winnipeg hat sich die Volatilität ebenfalls verstärkt. Canola-Raps schloss für die nahen Termine über 18 Can-$/t im Minus. Vor allem die schwachen Sojaölnotierungen drückten den kanadischen Markt.  
 
Rohöl: Die Rohölkurse an der New Yorker Nymex bewegten sich im Rückwärtsgang. In den vergangen beiden Tagen gaben die Notierungen unter Strich 5,50 US-$/Barrel nach. Ein festerer US-Dollarkurs in Verbindung mit der Euroschwäche und europäischen Schuldenkrise sowie schwache Aktienmärkte belasteten die Rohölpreise. Analysten führen den Preisrückgang ebenso wie den vorangegangenen Preisanstieg in erster Linie auf spekulativen Einfluss zurück. (St)
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