Tageskommentar Rohstoffe: Externe Einflüsse setzen Rohstoffkurse unter Druck

Steigende Risikoaversionen und Unsicherheit über die eskalierende europäische Schuldenkrise drückten auf nahezu sämtliche Rohstoffmärkte. In Chicago lösten die Fondsgesellschaften größere Positionen bei Soja und Mais, aber auch beim Weizen auf. Die Notierungen fielen zeitweise kräftig ins Minus, konnten sich jedoch bis Börsenschluss von den stärksten Verlusten erholen. Der Matif blieben die Notizverluste bei Weizen und Raps überschaubar. Rohöl war von der schwachen Stimmung an den Rohstoffmärkten am stärksten betroffen und gab deutlicher nach.
 
Weizen: Bei der gedrückten Stimmung an den Kassamärkten traten die Wettermärkte in den Hintergrund. Die Chicagoer Weizenkurse wurden zusätzlich von einem sehr festen US-Dollarkurs belastet. Die Kurse gaben jedoch nur moderat nach und konnten sich von den Tagesverlusten noch erholen. An der Matif hielten sich Notierungen für den Weizen in einem schwachen Umfeld noch einigermaßen. Für den November gab es nur ein leichtes Plus von 0,75 €/t.
 
Aus Russland kommen widersprüchliche Meldungen. In Südrussland hat es zwar geregnet und es werden weitere Regenfälle Laufe der Woche erwartet, doch die Niederschläge sollen nicht ausreichen, um die Bodenfeuchten nachhaltig zu verbessern. Die Russische Getreideunion, eine Exportlobby, hat die Befürchtungen über eine schlechte russische Getreideernte abgewiegelt. Sie erwartet keine katastrophale Ernte und hält  Exporte von 30 Mio. t Getreide, darunter 22 bis 23 Mio. t Weizen für denkbar. In der Vorwoche hatten die Analysten von SovEcon ein weitaus pessimistischeres Bild gezeichnet und die Erwartungen an die russische Weizenexporte auf nur noch 14 Mio. t gestutzt.
 
Mais: Nach schwachem Start konnten sich die Maisnotierungen mit Ausnahme des Frontmonats in den grünen Bereich retten. Die zurückgenommen Bonitierungen der US-Maisbestände und Befürchtungen über mittelfristig trockene und heiße Temperaturen im Maisgürtel wogen stärker als rückläufige Aktienmärkte und gedrückte Rohölnotierungen. Kurzfristig verheißen die Wetterprognosen allerdings Niederschläge für den Mittleren Westen. Die Fonds lösten sich erneut von größere Positionen im vorderen Bereich und die offenen Positionen reduzierten sich kräftig.  
In Paris schloss Mais dagegen mit Kursverlusten bis 2,25 €/t.  
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex geriet mit aggressiven Long-Liquidationen der Fonds phasenweise unter starkem Druck. Das Minus reduzierte sich bis Börsenschluss auf 5 US-$/t für die Bohne. Die Sojaschrotnotierungen schlossen im vorderen Bereich etwas schwächer. Bis Mitte nächster Woche soll es in den Sojaanbaugebieten regnen und dies drückte zusätzlich zu den schwachen externen Märkten auf die Kurse. Die gestiegene Risikoaversion an den Rohstoffmärkten schlug bei Sojabohnen mit den immer noch sehr großen netto-Long-Positionen der Anleger am stärksten zu Buche. Die offenen Positionen haben sich am Vortag mit der Verkaufswelle signifikant reduziert.
 
Raps: Die Rapskurse an Matif gaben ein Spiegelbild der Chicagoer Börse ab. Mit schwachen Bohnen fiel Raps deutlicher ins Minus. Als der Sojakomplex seine Verluste reduzierte, ließ auch der Druck auf die Rapskurse nach. Bei Börsenschluss stand nur noch ein Minus von 1,75 €/t hinter den Notierungen in Paris.
In Winnipeg schlossen die Canola-Notierungen mit einem kleinen Minus.
In Australien ist die Rapsaussaat termingerecht und bei guten Bodenverhältnissen erfolgt. Doch inzwischen sollen etwa 30 Prozent der Bestände unter fehlenden Niederschlägen leiden.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen gaben deutlich nach. Brent Crude Öl fiel mehr als 3 US-$/Barrel ins Minus und unter 104 US-$/Barrel. Die europäische Schuldenkrise scheint weiter zu eskalieren, die Zeichen europäischen Wirtschaft stehen auf Rezession. Die breite Risikoaversion der Finanzanleger schlug sich verstärkt auf Rohöl nieder. Ein fester US-Dollarkurs, dass Überangebot am Rohölmarkt sowie Spekulation auf einen neuerlichen Anstieg der Rohöl-Lagerbestände in den USA verstärkten die Abwärtsbewegung. Saudi Arabien hat erneut bekräftigt, dass es die Brent Crude Notierungen auf einem Level von 100 US-$/Barrel sehen will. (St)
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