Tageskommentar Rohstoffe: Gewinnmitnahmen und schwaches Soja belasten die Terminmärkte massiv


Die Terminmärkte standen erneut im Zeichen von kräftigen Gewinnmitnahmen. Vor den Entscheidungen der US-Notenbank und der EZB setzten Liquidationswellen ein, die zu äußerst turbulenten und volatilen Börsensitzungen führten. Angeführt wurde der Einbruch vom Sojakomplex, dem sich auch die anderen Märkte nicht entziehen konnten. Bei Börsenschluss hielten sich die Notizverluste für Weizen und Mais in Chicago allerdings in überschaubarem Rahmen. An der Matif schlugen sich die turbulenten Vorgaben aus Übersee in schwachen Notierungen bei Weizen und Raps nieder. Rohöl profitierte von gesunkenen US-Lagerdaten und schloss im grünen Bereich.
 
Weizen: Der schwache Sojakomplex drückte auch kräftig auf die Chicagoer Weizenkurse. Nach Gewinnmitnahmen gaben sie zeitweise kräftig nach, konnten sich aber bis Börsenschluss wieder etwas erholen.
An der Matif gerieten die Weizennotierungen ebenfalls unter Druck und schlossen 4,75 €/t schwächer. Aber auch die guten Weizenerträge in Deutschland und Frankreich sollen die Stimmung an der Pariser Börse belastet haben. Das USDA und der IGC sehen die französische Weizenernte sogar bei 38 Mio. t und damit noch besser als die offizielle französische Schätzung. Algerien hat 400.000 bis 500.000 t Weizen in Frankreich gekauft.
 
Russland ließ verlauten, dass es eine Weizenernte von 50 Mio. t für möglich hält und noch 11 bis 15 Mio. t Weizen für den Export übrig habe. Dies steht allerdings in krassen Gegensatz zu den Einschätzungen der meisten Analysten, die eher auf einen russischen Exportstopp als auf nennenswerte Ausfuhren setzten. Die jüngsten russischen Statements über die eigene Getreideernte sind zudem widersprüchlich und mit Vorsicht zu genießen.
 
Mais: In Chicago fiel Mais nach Gewinnmitnahmen und mit einem turbulenten Sojakomplex zeitweise deutlich ins Minus. Bis Börsenschluss beruhigten sich die Märkte und es stand nur leichtes Minus zu Buche. Aussagen der US-Notenbank, an ihrer ‚Null‘-Zinspolitik festzuhalten, sollen die Erholung begünstigt haben. Im Mississippidelta sind erste Maispartien geerntet worden. Die Erträge sollen gut sein. Allerdings war die Delta-Region von der Trockenheit im Mittleren Westen nur am Rande tangiert.
In Paris schlossen sich die Maisnotierungen dem schwächeren Weizen an und gaben etwas nach. Für den am kommenden Montag auslaufenden Augustkontrakt mit einem Minus von 4 €/t allerdings etwas deutlicher.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex leitet die Abwärtsbewegung in Chicago und einen äußerst volatilen und turbulenten Handelstag ein. Für den Andienungsmonat August kam es zu massiven Liquidationen und Gewinnmitnahmen. Die Bohnenkurse fielen zeitweise knapp 26 US-$/t in den Keller, die Sojaschrotnotierungen folgten mit einem Minus von fast 30 US-$/t. Für den jeweiligen Andienungsmonat sind die täglichen Kursveränderungen nicht limitiert. Am Börsenschluss sah es nicht mehr ganz so dramatisch aus, doch Bohnen und Schrot blieben in einem kräftigen Minus stecken.
 
Die Wetterprognosen für die kommende Woche sagen etwas feuchtere und kühlere Bedingungen für den Mittleren Westen vorher. Der Einbruch am Vortag dürfte aber weniger auf den Wettermarkt, denn auf Psychologie zurückzuführen sein. Wenig Zuversicht in die geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank sollen die rasante Talfahrt ausgelöst haben. Trotzdem bleibt für die beiden kommenden Wochen der Wettermarkt der entscheidende Faktor. Die US-Sojabohnen befinden sich in dieser Zeit in der Phase der Schotenfüllung.
 
Raps: Die Rapsnotierungen an der Matif hielten sich lange Zeit ganz tapfer, doch der Einbruch der Bohnen war letztendlich zuviel. Der November schloss mit einem Minus von 5 €/t. Für die übrigen Termine fiel der Kursrückgang moderater aus.
In Winnipeg rauschen die Canola-Kurse mit dem schwachen Sojakomplex mehr als 11 Can-$/t nach unten.  
 
Rohöl: Nach schwachem Start brachten die gesunkenen US-Rohöl-Lagerbestände den Notierungen etwas Auftrieb. Sowohl WTI als auch Brent Crude Öl schlossen nach zwei schwächeren Vortagen wieder etwas fester. (St) 
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